Autorenkrankheit

Was soll ich schreiben? Mal wieder sitze ich vor einem leeren Blatt Papier. Ohne Ideen…ohne Einfälle… Was soll ich schreiben?

Um mich herum bildet sich ein Kreis. Alle meine Figuren tauchen um mich herum auf.

„Lass mich in Schlachten ziehen und Welten retten!“, ruft die Kriegerin und hebt ihr Schwert empor.

„Nein, lass mich laufen, lass mich durch die Lande ziehen.“, entgegnet die Wanderin, welche den Kreis umrundet. Immer und immer wieder. Runde um Runde.

„Ich will ein Abenteuer erleben! Bitte bitte! Ich will etwas spielen.“, >Bitte bitte< rufend hüpft das kleine Kind auf der Stelle auf und ab.

Ich halte mir die Ohren zu.
Das kann doch wohl nicht war sein. Warum? Warum immer dasselbe? Warum will die eine immer Kämpfen, die nächste immer verlieren, immer hoffnungslos sein? Warum will er immer und immer und immer wieder auf verschiedene Arten seine Liebste verlieren? Warum will sie immer wieder dem Wahnsinn erliegen? Warum will die Kleine immer nur spielen? Immer dasselbe? Immer mit denselben? Warum will sie immer wieder verlassen werden? Warum will sie immer wieder spüren was es bedeutet einsam zu sein? Warum will er immer wieder Verrückt werden? Warum…

Warum? Warum? Warum? Warum…? Warum…

„RUUUHEEE!“; schreie ich in die Runde. Plötzlich sind alle still. Keiner schreit mehr, was er erleben will. Keiner buhlt mehr darum, wer seine Vorstellung als erstes erleben darf.

Stille…

Fast schon unheimlich. Gehetzt schau ich in die Runde. Wie viele sind sie? Fünf? Sechs? Sieben? Acht? Zu viele…

„Warum…“, flüstere ich. Ich sinke auf die Knie. „Warum…“

„Was hast du? Ist…ist alles in Ordnung?“, fragt die Kleine besorgt und verunsichert.

„NEIN!“; brülle ich, „Nichts…Nichts ist in Ordnung!“ Ich schreie, laut und hysterisch.

„Warum? Warum tut ihr mir das an? Warum macht ihr das mit mir? Warum zwingt ihr mich, wieder und wieder und wieder eure Geschichten zu schreiben? Warum zwingt ihr mich? Warum wollt ihr immer und immer wieder das gleiche erleben? Immer und immer wieder den gleichen Schmerz durchmachen? Warum zwingt ihr mich immer und immer wieder den gleichen Schmerz durch zu machen!?“ Heiße Tränen rollen über meine Wangen, ich wippe vor und zurück. Geistesabwesend immer wieder leise >warum?< fragend.

Stille…

Keiner sagt ein Wort, niemand traut es sich. Wieder schreie ich.

„Warum? Ich kann das nicht mehr…ich will das nicht mehr! Ich will schreiben was ICH will. Nicht was ihr von mir verlangt! Nichtmehr das, wozu ihr mich zwingt. Ich ertrage es nicht mehr. Ich ertrage es nicht mehr, immer wieder die gleichen Gefühle, die gleichen Erlebnisse durch zu machen. Es macht mich kaputt. Es zerreißt meine Seele! Erbarmt euch meiner! Sucht euch ein neues Opfer…ich kann das nichtmehr!“ Ich breche zusammen. Liege auf dem Boden…und schreie.

Um mich herum wird es schwarz. Schwarz und leer…

Sie verschwinden. Einer nach dem anderen tauchen sie wieder ab, lassen mich wieder in meinem Elend alleine. Als ich allein zu sein scheine richte ich mich auf. Tränenüberströmt sitze ich da, in der schier endlosen Leere. Da…eine Gestalt.

Wer?

Sie kommt auf mich zu. In schwarze Gewänder gehüllt schwebt sie auf mich zu. Die Sadistin. Gefüllt mit Wut, Zorn, Hass, Verachtung, Abscheu…und so vielem mehr. Sie beugt sich zu mir runter, reißt meinen Kopf an den Haaren nach hinten und hält mir ein Messer an die Kehle…

„Schreib…!“

2 Kommentare zu „Autorenkrankheit

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