#WritingFriday – September18_01

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Endlich habe auch ich es mal geschafft, pünktlich eine #WritingFriday fertig zu bekommen. Der Monat hat zwar eigentlich schon letzte Woche begonnen, aber ich bin einfach so frech, eine Woche später einzusteigen. Hoffentlich werde ich absofort regelmäßig (im besten Falle jede Woche) eine Kurzgeschichte o.ä. dazu hchladen können!
Was genau ist der #WritingFriday? Nun ja, einfach gesagt: Es gibt jeden Monat eine kleine Auswahl an Themen, die als Kurzgeschichte, Gedicht oder ähnliches bearbeitet werden können. Veröffentlicht wird (in meinem Falle hoffentlich) jeden Freitag.

Die aktuellen Themen, sowie alles, was ihr dazu wissen müsst findet ihr bei Elizzy!

Ich habe mir als heutiges Thema Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als…“ beginnt. ausgesucht. Viel Spaß beim lesen!

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Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als sich eine weitere schillernd blaue Feder auszurupfen. Die Kahle Stelle an seinem Flügel, welche einst so schimmernd leuchtete, wie das schwarze Meer im Mondschein war mittlerweile fast kahl. Nur die weichen, weißen Unterfedern bedeckten noch den Körper des kleinen Federtieres. Wieder und wieder zog es an seinen Federn und rupfte eine nach der anderen aus. Wie ein glitzerndes Meer lagen die einzelnen blauen Federn um das Tier herum. Ein dunkler See im Schatten der Bäume erstreckte sich unter seinen Füßchen. Das Tierchen keuchte schwach und zupfte eine weitere Nachtblaue aus seinem Federkleid. Nachdem es die letzte bläuliche Feder ausgerissen hatte sackte es schwer atmend zusammen. Sein rechter Flügel wummerte und schmerzte von der Tortur. Ein leiser Wind fuhr durch den lichten Wald und ließ den kleinen Vogel schwach zittern. Es war kein kalter Wind, doch durch das fehlende Federkleid spürte er ihn plötzlich unerbittlich an seiner Haut reißen. Schwerfällig kam das Tierchen wieder auf die Beine und begann, den dunklen See zu einem kleinen Haufen zusammenzusammeln. Dann schob es den Haufen zu den anderen, die er am Rande der Lichtung aufgetürmt hatte. Rot, grün, orange, gelb und blau. Wie ein Regenbogen lag sein Gefieder nun vor ihm. Der Vogel schlang seine kahlen Flügel um seinen Körper, um sich vor den kalten Luftzügen zu schützen. Traurig sah er auf seine einst so prächtigen Federn. Eine Träne lief aus seinem linken Auge und fiel still auf den weichen Waldboden. Unglücklich ließ sich das Tier wieder ins Gras sinken. Die bunten Federn funkelten leicht in den Lichtstrahlen, die die Bäume bis dorthin durchdringen ließen und wogten leicht im vorbeiziehenden Wind. Der einst kunterbunte Vogel beobachtete, wie seine Federn glitzerten, als er ein Knacksen hinter sich hörte. Es drehte sich in die Richtung, aus der das Geräusch kam und sah sich einem kleinen Igel gegenüber. Die dunklen Knopfaugen des Igels beäugten den gerupften Vogel und seine kleine Nase wackelte neugierig. Unbeeindruckt drehte sich das Vögelchen zurück zu seinen Federhaufen, doch der Igel ging nicht vorüber. Ein weiterer Windstoß ließ das kleine Wesen zittern.
„Warum hast du dir die Federn ausgerissen?“, fragte der Igel und setzte sich dicht neben den Vogle, um ihn etwas vor dem Wind zu schützen.
„Sie waren hässlich.“, wimmerte der Vogel in einem traurigen Moll.
Der Igel beäugte die Federn und sah sich jeden Haufen an. „Sie sind wunderschön“, sagte er, nachdem er jede sichtbare Feder genau beäugt hatte. Das Federtier schüttelte traurig mit dem Kopf, sagte aber nichts.
„Warum meinst du, sie seien hässlich?“, fragte der kleine Igel und rollte sich leicht zusammen, bedacht darauf, seine Stacheln nicht aufzustellen.
„Weil sie es sind. Ich war so bunt wie ein Clown! Ich war eine Lachnummer. Ein Witz. Nicht ernstnehmbar.“
„Nicht ernstnehmbar, hm?“, hackte der Igel nach und stupste das zitternde Häufchen neben sich mit der spitzen Nase an.
„Sieh mich doch an, mit all diesem kunterbunten Kram! Konnte sich mein Gefieder nicht entscheiden, welche Farbe es hat? Wie können die Federn am Bauch gelb werden und die am rechten Flügel grün…wie sieht das denn aus?“ Der kleine Vogel hatte große Mühe, die Fassung nicht zu verlieren. Tränen standen in seinen Augen und er zitterte nicht mehr nur vom Wind, der über ihren Köpfen durch die Blätter rauschte. Nach einem schniefen fuhr das zarte Wesen fort: „Sie dir Frau Elster an, immer schick in ihrem schwarz-weißen Kleid. Oder Herr Rabe, der stehts gut gekleidet ist in seinem schlichten Schwarz. Oder das Rotkehlchen, dessen Gefieder im dichten Wald gut tarnt. Ich falle auf wie ein bunter Hund, egal wohin ich gehe. Nirgends passe ich hin und überall sehe ich hässlich aus.“ Das Federtier schluchzte und fuhr sich mit dem linken Flügel über die schmerzhafte Stelle am rechten, wo es seine letzten Federn ausgerissen hatte.
Die Augen des kleinen Igels verengten sich. Er verzog den Mund und seine kleine Nase wackelte aufgeregt. Für einen Moment stellten sich seine spitzen Stacheln auf.
„Das ist doch Blödsinn!“, rief er aus und der kahle Vogel in seinen weißen Unterfedern sah ihn erschrocken an.
„Deine Federn, mein junger Freund, spiegeln deine Seele wieder.“, sprach der Igel und reckte die Nase in den Wind.
„Meine Seele?“, fragte der Vogel unsicher, „Wie meinst du das?“
Langsam wurde der einst schwache Wind stärker und kreiste um die kleine Lichtung. Der zitternde Vogel rollte sich noch weiter zusammen, während sich der Igel noch etwas aufbäumte. „Deine Federn sind der Spiegel deiner Seele. Du fühlst und jede Farbe steht für ein Gefühl, was dich auszeichnet.“
Langsam fuhr der Wind in die Federhaufen und begann, sie auseinanderstoben zu lassen.
„Der Rabe fühlt nicht, er tut nur so. Er ist ein hinterlistiges, bösartiges Geschöpf. Sein Herz und seine Seele sind so schwarz wie sein Gefieder. Das Rotkehlchen lebt nicht, es versteckt sich nur. Und Frau Elster ist ein diebisches Weib.“
Der Wind spielte mit den bunten Federn, während die Stimme des Igels sich erhob. Das kleine Vögelchen wusste nicht, was es sagen sollte. Unsicher folgte sein Blick einer orangenen Feder, die im Wind tanzte.
„Warum bin ich dann so bunt?“, fragte es schließlich, konnte den Blick von seinem ehemaligen Gefieder dabei jedoch nicht lösen.
„Weil du lebst“, sprach der Igel, als sei damit alles nötige gesagt. Der Wind bauschte die Federn weiter auf und begann, sie empor zu heben und um die beiden Tiere herumzuwirbeln.
„Du lebst. Du fühlst. Du fühlst Neid, also bekommst du grüne Federn. Du fühlst Hoffnung, also bekommst du Gelbe. Die blauen kamen, als du einsam warst und die orangenen als du das erste Mal Wut spürtest. Und rot wurde dein Gefieder, als du dich das erste Mal verliebtest. Deine Federn sind der Spiegel deiner Seele.“
Überrascht sah der Vogel sein Gegenüber an. Die dunklen Knopfaugen des Igels funkelten und die kleine Nase wackelte leicht, während seine Stacheln leicht zuckten. Der Wind ließ die kunterbunten Federn um die Lichtung kreisen. Sie funkelten und glitzerten in den sporadischen Lichtstrahlen, die ihren Weg durch das Blätterdach des Waldes suchten. Ungläubig sah der kleine Vogel seinen Federn nach. Sah dabei zu, wie der Wind damit spielte.
„Du bist noch jung“, sprach der Igel und rollte sich wieder sacht zusammen, „dein Gefieder wird noch oft die Farben wechseln.“
„Meinst du…“ – „Dein Gefieder kommt wieder.“
Freudig blinzelte der blasse Vogel die Tränen aus seinen Augen und sah an sich herunter, als ihm eine weiße Stelle an seiner Brust auffiel. Die Federn waren länger und härter, als sein Unterkleid und sie schillerten schwach, wie Perlmutt.
„Was ist das?“, fragte das Vögelchen und sah den Igel an.
„Schillerndes weiß, wie die Weisheit“, sprach der Igel und seine Knopfaugen schimmerten. Die ausgerupften Federn des Tieres schwebten wie ein kleiner Schwarm um die beiden herum. Ein schillerndes Meer aus bunten Farben umringte sie und der Vogel sah dem Treiben seiner Federn gebannt zu. Das erste Mal empfand er sein einstiges Gefieder als schön.

4 Kommentare zu „#WritingFriday – September18_01

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