#WritingFriday September18_02

Da ist sie endlich, meine zweite #writingFriday im September. Zugegeben, ich habe nur zwei von vier Freitagen geschafft, aber alle zwei Wochen kann man ja auch als sowas, wie regelmäßig bezeichnen. Und ich bin schon etwas stolz, dass ich es überhaupt geschafft habe. Aufgrund von Leben und Co. werde ich wohl öfter einen Freitag auslassen müssen, aber ich gebe mir Mühe, so oft und regelmäßig einen Beitrag am #writingFriday zu leisten!

Wer noch nicht weiß, wobei es sich hier handelt, der schaut am Besten bei Elizzy vorbei.

Mein Thema heute: Blicke aus dem Fenster – was siehst du? Beschreibe dies so genau wie möglich.

Viel Spaß beim Lesen!

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Ein kalter Wind bläht die langen, dunklen Gardinen und ein schwacher Lichtstrahl fällt durch den dadurch entstehenden Spalt. Mit einer dampfenden Tasse Kakao in den Händen, schlinge ich meine Profikuscheldecke enger um mich und ziehe die rechte Gardine auf. Der Wind kräuselt die Blätter der Magnolie, die an der Rabatte steht. Ich stelle meinen Kakao auf die linke Seite des Fensterbrettes, setze mich vorsichtig in den offenen Fensterrahmen und lehne mich gegen die rechte Seite. Darauf bedacht, so wenig wie möglich außerhalb der Decke zu sein, greife ich nach meiner Tasse, ziehe vorsichtig die Beine an und nippe einen Schluck. Die Wärme, die meine Kehle hinunter in meinen Magen wandert steht wie ein Kontrast zur Kälte, mit der mir der Wind über die Wangen streicht und eine wohlige Gemütlichkeit breitet sich in mir aus. Die Blätter der Magnolie rascheln leise und ich nippe erneut am warmen Kakao. Die Sonne steht mittlerweile knapp über dem Horizont und taucht die Landschaft vor meinem Fenster in eine flimmernde Mischung aus orange-rotem Meer. Es sieht ein bisschen aus, als würde die gesamte Welt, die sich vor mir erstreckt, in Flammen stehen. Die Magnolie und der wilde Dornenbusch, die vor meinem Fenster wachsen, färben ihr Blätterkleid langsam in herbstliche Farben. Vereinzelt sind noch hell- und dunkelgrüne Blätter im rauschenden Meer zu erkennen. Die bunte Farbpracht rauscht und knistert im Wind, wie züngelnde Flammen. Mit dem Rauschen im Ohr schweift mein Blick weiter in die Ferne. Das Dorf, welches sich hinter dem Feld erstreckt liegt ruhig am abendlichen Meer der Sonnenflut. Die karmesinroten Dächer glänzen wie kleine Leuchttürme, die den Schiffen auf dem Strom der Sonne ihren Weg weisen. Während mein Blick an einem kleinen Stern hängen bleibt, der den Sonnenstrahlen seinen schwachen Schein entgegenhält, wandert die goldene Kugel unbemerkt weiter Richtung Horizont. Ein einzelnes Blatt löst sich von einem Ästchen der Magnolie und wird von einem sachten Wind zu mir ans Fenster getragen. Als würde das Blatt, welches in der Mitte noch leicht grün schimmert, während die Spitzen bereits den roten Flammen erlagen, nur für mich tanzen, lässt es sich vom Wind hin und her tragen. Der Unsichtbare nimmt das Kleine, im flammenden Kleid, hält es sacht in seinen Armen und sie tanzen gemeinsam in die Nacht hinein. Runde um Runde drehen sie sich zu einer Melodie, die von den Brüdern und Schwestern des Blattes und dem Wind gespielt wird. Trunken vor Glück gleitet das Tanzpaar langsam zur Erde. Der Wind stößt einen langgezogenen Seufzer aus und lässt das Blatt aus seinen Armen gleiten, welches sacht auf den Boden gleitet und dort seinen Frieden findet. Ein Lächeln umspielt meine Lippen und ich lausche einige Zeit, mit geschlossenen Augen, der Melodie des Windes. Er singt vom aufkommenden Wandel der Natur und ich spüre, dass es endgültig Herbst ist. Als ich meine Augen wieder öffne, wird der letzte Schluck der Sonne vom Horizont verzehrt und die kühle Dunkelheit der Nacht umfängt mich. Die Leuchtturmdächer sind erloschen und werden ersetzt vom Licht der Fenster, die wie Glühwürmchen in der Finsternis flimmern. Begleitet vom schummrigen Schein der Sterne leere ich meine Tasse, ziehe meine Decke enger um mich und schließe das Fenster hinter mir. Nach einem letzten, schweifenden Blick über die Landschaft, die friedlich in der Dunkelheit schlummert und auf den neuen Tag wartet, ziehe ich langsam die Gardine zu.

2 Kommentare zu „#WritingFriday September18_02

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