Gedankenstürme *15

Musik dröhnt in meinen Ohren, während ich im Zug sitze und die Landschaft vorbei rauschen sehe. Dies ist kein Anfang einer Kurzgeschichte, sondern genau das passiert mir gerade (aber wer sagt schon, dass mein Leben keine Kurzgeschichte ist?). Wo fange ich jetzt an? Es fällt mir in letzter Zeit so schwer, meine Gedanken zu sortieren. Die Tage, die ich arbeitsbedingt momentan außerhalb meiner Heimat verbringe fühlen sich an, als würde ich mein Leben jedes mal, wenn ich in den Zug steige kurz auf Pause drücken und als würde es erst dann, an genau dieser Stelle weiter gehen, wenn ich zurück bin und wieder aus dem Zug aussteige. Was dazwischen passiert fühlt sich so unwirklich an. Aufstehen, essen, arbeiten, essen, ins Bett gehen, wieder aufstehen. Und dazwischen kreisen meine Gedanken und lassen meinem Kopf keine Ruhe. Vor ein paar Wochen haben sich die Wege von mir und einem geliebten Menschen getrennt und unentwegt macht sich mein Kopf nun Gedanken über die Zukunft, die Vergangenheit und die Gegenwart.

Die Liebe ist ein wildes Tier // Sie kratzt und beißt und tritt nach mir // Nistet auf gebrochnen Herzen // geht auf Jagd, bei Kuss und Kerzen

treffender könnte Till Lindemann die dunklen Seiten der Liebe wohl nicht beschreiben. Ist es nicht seltsam, dass man sich in jemandem verliebt, sich ganz darin fallen lässt, sein Herz rausreißt, um es dem anderen vor die Füße zu legen und sich voll und ganz darauf einstellt, dass diese eine Person die ist, die für mich bestimmt ist, die den Rest meines und ihres Lebens mit mir verbringt, nur um dann irgendwann festzustellen, dass dem doch nicht so ist? Meist gibt es dann viele Tränen, gebrochene Herzen und verletzten Stolz.. ein trauriges und unehrenwertes Ende für etwas, dass doch eigentlich so toll angefangen hatte. Aber manchmal im Leben ist es wohl so. Oder geht es nur mir so? Kaum verliebe ich mich in jemanden springt mein Herz im Kreis, fixiert sich auf diese eine Person und ruft „Du! Du bist der Eine! Du bist für mich und ich bin nur für dich erschaffen. Wir gehören zusammen. Dir will ich all meine Liebe geben und ich weiß, dass du der Richtige bist!“ Währenddessen steht mein Kopf dann meist dahinter, hält das wild rumspringende Herz am Kragen fest und versucht ihm zu erklären, dass es das Gleiche doch schon mehrere fälschliche Male gedacht, gefühlt und gesagt hat. Fühlt es sich deswegen weniger echt an? Nein. Fühlt es sich deswegen weniger richtig an? Auch nicht. Gibt es dieses Mal eine Garantie? Nope. So passiert es wohl ab und zu, dass das Herz gehörig auf die Fresse fliegt und der Kopf ihm mit einem „Ich habs dir doch gleich gesagt“ wieder auf die Füße hilft.

Nun muss ich zugeben, dass es mir dieses Mal nicht so sehr wehgetan hat, einen anderen Weg einzuschlagen, was mir des Öfteren einfach nur Leid tut und für ein schlechtes Gewissen sorgt. Ich komme damit diesmal sogar erstaunlich gut zurecht und habe es doch recht schnell verarbeitet. Das passiert wohl, wenn der Kopf früh genug zum Herzen durchdringen und ihm die Realität vor die rosarote brille halten kann.

Warum geben meine Gedanken dann einfach keine Ruhe? Weil ich mich frage, wie mein Leben weitergehen wird. Wie ich will, dass es weiter geht. Ich möchte mich nicht so überemotional an jemanden binden, aber möchte mein Leben auch bei weitem nicht allein verbringen. So stellt sich mir die Frage, wie finde ich die Waage?

Das traurigste an solchen Beziehungen und Trennungen ist für mich wohl, dass es Spuren hinterlässt und das „auf jemand neues einlassen“ erschwert. Zumindest ist das bei mir der Fall. Ich fühle mich seit kurzem zu jemandem hingezogen, zu dem ich mich schon einmal hingezogen gefühlt habe (ich war einfach zu feige, um etwas zu sagen) und frage mich nun, ob das funktionieren könnte. Ist das doch schließlich eine allumfassende Entscheidung, die Auswirkungen auf das gesamte Leben hat und ist die letzte Entscheidung doch erst ein paar Wochen her. Aber es fühlt sich einfach fast schon zu schön an, um wahr zu sein und nun bin ich doch ein so impulsiver, emotionsgesteuerter Mensch..

Doch wie sagt man so schön: wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Bei all dem Chaos geht momentan leider auch meine kreative Arbeit etwas unter, weswegen ich kaum noch zum Schreiben komme und wenn, dann hänge ich momentan nur an der Arbeit für eine etwas größere Geschichte, die mittlerweile eine Art Eigenleben entwickelt hat und wesentlich Größer geworden ist, als ursprünglich von mir geplant. Und auch mein Uni-Leben fällt momentan an einigen Stellen etwas hinten runter… ein bisschen freue ich mich schon darauf, wenn das Jahr vorbei ist. Abgeschlossen. Beendet. Hinter mir liegt und ich mich einfach auf das Neue einlassen und konzentrieren kann…

Ein Kommentar zu „Gedankenstürme *15

  1. Schön geschrieben!
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