#writingFriday Januar19_01

Endlich wieder #writingFriday!

Ich freue mich doch sehr, dass der writingFriday dieses Jahr in eine neue Runde geht! Neben einem neuen Header gibt es auch ein paar neue Schreibaufgaben. Jeden Monat gibt es ein paar Themen zur Auswahl und (im besten Falle) jeden Freitag wird gebloggt. Welche weiteren Regeln es gibt, was die Schreibthemen für diesen Monat sind und wie man teilnehmen kann, gibt es bei Elizzy nachzulesen!

Nachdem ich im November/Dezember arbeitsbedingt eine kleine Zwangspause beim Schreiben und Bloggen einlegen musste, hoffe ich, dass ich nun wieder mehr dazu komme und dieses Jahr auch regelmäßig(er) am writingFriday teilnehmen kann.

Mein ausgewähltes Thema lautet: Erzähle eine Geschichte über den gefrorenen See in deiner Kleinstadt.

Damit genug des Vorgeplänkels!

Viel Spaß beim Lesen.

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Weißer Nebel liegt über den Wiesen und wabert zwischen den kahlen Bäumen umher, Fingern gleich, die an den knorrigen Ästen, wie an Saiten zupfen. Ihre Melodie ist die Stille. Geisterhaft weiß liegen die Wiesen, im Tau gefroren. Die Sonne, die hinter den dicken Wolken nur schemenhaft zu erahnen ist, ist viel zu schwach, um an diesem Ort auch nur eine Sterbensseele zu erwärmen. So kriecht der Frost in jede Ritze, jeden Spalt, jeden Grashalm und jeden holzigen Finger, den die Bäume ihr fast flehend entgegenstrecken. Im Sommer ist dieser kleine Ort, mit den an Hügel geduckten Häusern und dem blühenden Wald ein kleines Paradies. Fernab städtischen Trubels und doch nah genug, um ein Teil der Infrastruktur zu sein, hat sich in diesem Fleckchen Grün ein Dorf gebildet. Die Menschen sind fröhlich, sie singen und tanzen, verbringen lange Nächte im Wald, auf den Wiesen und am See, der zwischen den Bäumen versteckt ruht. Ja, wenn man dort, am Ufer des Sees liegt und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, umringt von den herrlichsten Blumen und einem romantischen Summen, dann könnte man fast meinen, dass man sich wirklich im Paradies befindet.
Doch der Schein kann trügerisch sein. Mit dem Wandel des Wetters und dem Übergang der Jahreszeiten, verändert sich auch die Landschaft des Sees. Die Bäume, die sich im Sommer so prächtig und stolz in den Himmel recken, ducken sich im Winter kahl und krank in ihre eigenen, kümmerlichen Schatten. Der Nebel ruht Tag und Nacht, wie ein Wächter an den Ufern des Sees und selbst die Sonne wagt es nicht, ihre Fühler nach dem klaren Wasser auszustrecken, welches wie ein Spiegel in Mitten des Waldes liegt. Jedes Jahr zu dieser Zeit verändert sich mit dem Wetter und der Landschaft auch das Dorf. Das Leben der Bewohner kehrt sich in das Innere ihrer geduckten Häuser und jegliche Fröhlichkeit scheint wie eingefroren. Wenn sich die Sonne doch mal hinter ihrer Wolkenwand hervortraut, taucht sie die gefrorene Landschaft in ein schwaches Glitzern ein und die Nebelwand schimmert milchig weiß. Nicht viele wagen sich in dieser Zeit an den See im Wald. Denn wer es tut, kehrte meist nie mehr zurück. Manchmal, wenn die Gegend von der Sonne oder dem Mond in ein trübes Licht getaucht wird, verirren sich einige liebestrunkene Paare oder übermütige Kinder im Wald und suchen den Weg zur spiegelglatten Oberfläche des Sees. Die, die den Weg zurück finden, berichten anschließend von einer magischen Anziehungskraft. Von einer Stimme, die sie zum See bestimmt, als würde das stille Wasser selbst nach ihnen rufen. Das Verlangen, zum See zu kommen durchdringt jede Faser ihres Körpers, es lässt keine Gegenwehr zu und führt die armen Seelen durch das kalte Unterholz zum Ufer und auf die glatte Oberfläche des Sees. Die, die zurückkehren, erinnern sich nicht, was anschließend geschieht oder wie sie sich von dem Bann losreißen.
Alles, was sich noch in ihrem Gedächtnis befindet ist, wie sie zwischen den toten Bäumen umherwandeln, welche ihre kahlen Finger nach ihnen auszustrecken scheinen. Das Knacken, von dem gefrorenen Boden unter ihren Füßen, ist das einzige Geräusch, welches sie in unregelmäßigen Abständen wahrnehmen. Die stumme Melodie des Nebels surrt zwischen den Bäumen umher und lässt die kalte Luft flimmern und anschwellen. Der Ruf des Sees zieht sie weiter, bis sie seine glatte Oberfläche erreicht haben. Die ersten Schritte, die sie im dumpfen Nebelschein auf dem Eis machen sind anfangs wacklig, doch werden schnell sicherer. Wer sich heimlich an das Ufer des Sees wagt, kann anschließend beobachten, wie die Verlorenen beginnen, über das Eis zu gleiten und zu tanzen, wie sie es sonst im Sommer auf dem Dorfplatz tun. Es scheint, als würden sie mit dem Nebel selbst tanzen und sich der Kälte des Winters hingeben. Ein bizarres, jedoch wunderschönes Schauspiel. Irgendwann kommen sie am Eingang des Dorfes wieder zu sich, oder sie bleiben für immer verschwunden.
Nur ab und zu wird im Sommer, wenn die Tage lang und die Nächte warm sind, die Leiche eines Verschwundenen aus dem See geborgen.

10 Kommentare zu „#writingFriday Januar19_01

  1. Liebe Tilly, es freut mich sehr das du beim Writing Friday mitmachst, denn ansonsten hätte ich diese wundervolle und tragische Geschichte nicht lesen können. Ich liebe den Schreibstil und die Beschreibungen, versetzen einen wirklich an diesen magischen und doch gefährlichen Ort ❤
    Hab ein tolles Wochenende.

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    1. Dankesehr, das freut mich wirklich sehr! 🙂
      Es hat auch viel Spaß gemacht, die Geschichte zu schreiben (auch wenn mir der Schluss etwas schwer viel, aber ich habs ja dann doch zustande bekommen^^)

      Gefällt 1 Person

    1. Hey 🙂
      Dankesehr, es freut mich immer wieder, so etwas zu lesen^^
      Das Gefühl ist ganz richtig, ich liebe es Schilderungen zu schreiben und so ein Stück weit in das Wesen der Dinge einzudringen, um sie in Worte fassen zu können. Diese Leidenschaft merkt man meinem Schreibstil mittlerweile wohl sehr an.

      Gefällt 1 Person

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