#writingFriday Februar19_01

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Der zweite Monat des #writingFridays hat begonnen und die Schreibthemen, die uns die liebe Elizzy diesen Monat gegeben hat, sind meiner Meinung nach alle besonders toll! Ihren eigenen Beitrag könnt ihr hier finden.

Aber hups, ist heute denn überhaupt Freitag? Gut erkannt: Nein, ist es nicht! Ich muss zugeben, dass ich ausnahmsweise die oberste Regel des #writingFridays breche und nicht an einem Freitag, sondern, ganz frech, an einem Samstag veröffentliche! (Ich Rebell – muhahaha)

Nein, eigentlich hat diese kleine Verzögerung einen ganz einfachen Grund: Da mir die Schreibthemen diesen Monat so gut gefallen, möchte ich unbedingt alle vier Beiträge veröffentlichen, da ich den gestrigen Freitag jedoch von Frühs bis Abends mit lernen verbracht habe und am Abend dann auch noch von ein paar Freunden zum Billiard „entführt“ wurde, bin ich leider nicht dazu gekommen, etwas zu schreiben, geschweige denn, zu veröffentlichen.

Also habe ich mir die Frechheit rausgenommen, meine erste #writingFriday des Monats einfach um einen Tag zu verschieben. Asche auf mein Haupt – ich hoffe, es ist mir verziehen!

So, nun genug der Erklärungen! Mein heutiges Thema lautet:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Jack griff zu seinem Schwert und zögerte dann doch, denn…“ beginnt.

Viel Spaß!

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Jack griff zu seinem Schwert und zögerte dann doch, denn plötzlich stand ein kleines Mädchen vor ihm. Verdutzt blickte der Ritter das Kind an. Wo kam es plötzlich her? Und was machte es hier? Jack blinzelte die Verwunderung aus seinen Gedanken und ließ sein Schwert wieder ein Stückchen in seine Scheide gleiten. Das Mädchen blieb einige Meter von ihm entfernt stehen und sah dem Ritter neugierig entgegen. Ihr himmelblaues Kleid wehte in einer leichten Brise und Jack runzelte die Stirn über die seltsamen Spangen, die sie in ihren zerzausten Haaren trug. Heldenhaft baute er sich vor ihr auf und ließ seinen Blick über die kleine Wiese gleiten.
„Nun denn, kleine Maid! Sagt, was führt Euch hier her in diese wilden Gefilde?“, sprach er mit Stolz geschwelter Brust. Das Mädchen, welches um die zehn Jahre zählte und eine kleine Barbie in ihrer linken Hand hielt, legte ihren Kopf schräg.
„Wat bistn du für nen Vogel?“, sprach sie und sah den Mann mit dem komisch klirrenden Hemd von unten an. Jack war empört über so viel ehrlose Dreistigkeit, ließ sich aber dazu hinab, dem scheinbar unwissenden Kind eine Antwort zu geben.
„Offensichtlich scheint Ihr nicht zu wissen, wer vor Euch steht. Anbetracht Eurer Jugendhaftigkeit möchte ich Euch diesen Frevel in Gottes Gnaden vergeben!“, während Jack sprach gestikulierte er bedeutungsvoll mit seinen Händen. Als er seinen Namen nannte, deutete er eine leichte Verbeugung an, „Ich, Wertestes Kind, bin James Adalberg Cederic von Kreuzbergen! Beschützer unschuldiger Kinder. Edler Retter von Jungfrauen in Nöten. Der Drachenbezwinger. Und Spross eines jahrhundertealten Rittergeschlechts, welches seinen ritterlichen Sitz in den grünenden Weiten, die unter dem Namen Friederichshaine-Kreuzbergen bekannt sind, inne hat. Aber meine Weg- und Kampfgefährten erhalten die erhabene Ehre mich Jack nennen zu dürfen.“
Nachdem Jack geendet hatte, wartete er auf die verdiente Anerkennung und Bewunderung seiner Person, die zu seinem Ärgernis jedoch aus blieb. Während der strahlende Ritter damit beschäftigt war, die Bedeutung seiner Person zu erläutern, hatte das Mädchen sich gelangweilt von dem seltsamen Mann in den seltsamen Klamotten abgewandt und spielte in einem großen Sandkasten mit ihrer Barbie. Jack hingegen, konnte diesen Frevel nicht auf sich sitzen lassen. Vermutlich handelte es sich bei dem Kind um ein ungebildetes Bauernmädchen, ein Gedanke, der ihn ein wenig zu besänftigen schien. Jack schüttelte den Kopf und ließ die Kleine ihren Albereien nachgehen. Er hatte wichtigeres zu tun!
„Bleibt zurück, kleine Maid und kommt mir nicht weiter in meine Wege!“, rief er und stolzierte an dem Mädchen vorbei. Das Kind rollte mit den Augen und ließ den verrückten Mann seiner Wege gehen. Entschlossen zog er sein Schwert, ohne sich diesmal ablenken zu lassen und trat weiter auf die Lichtung. Irgendwo hier musste das feuerspukende Ungeheuer sein, welches seit Wochen seine getreuen Untertanen terrorisierte. Jack hob sein Schwert und hielt es schützend vor seine Brust, als er weiter suchte. Irgendwo hier musste die Echse doch sein?!
„Jack! Jack, verdammt nochmal, ich suche dich schon überall!“, hörte Jack eine ihm bekannte Stimme rufen. Als er sich umdrehte, machte sein Herz einen erfreuten Hüpfer.
„Bei Gottes Gnaden, Erikson! Mein getreuer Knappe. Robert! Mein bester Kampfgefährte! Bin ich froh Euren edlen Gesichtern entgegen zu blicken.“, Jack deutete mit seinem Schwert auf seine Untergebenen, „Ich dachte schon, ich hätte die Euren in der letzten großen Schlacht, damals auf den Fluren des Haines an den ewigen Gevatter verloren! Tut das gut, Eure Antlitze in Lebendigkeit strahlend zu erblicken!“
Jack hielt seine Klinge weiterhin in der rechten Hand, während er seine Gefährten an seine, mit Stolz und Liebe gefüllten Brust drückte. Die beiden anderen sahen sich skeptisch an. Erik deutete mit seinem Finger an seine Stirn und verdrehte die Augen.
„Der hat nen Dachschaden…“, seufzte er.
„Kommt! Lasst uns gemeinsam dem törichten Leben dieser niederen Echsenkreatur ein Ende setzen!“, rief Jack seinen Gefährten zu und wollte gerade los stürmen, als Robert ihn zurück hielt.
„Jack, Alter… dit jeht so nich. Du bist ja völlig nebn der Spur“, sagte er und versuchte zu seinem Mitbewohner durch zu dringen.
Erik musterte seinen Bruder und versuchte dabei ein Lachen zu unterdrücken. „Wie siehst du denn überhaupt aus?!“
„Was stimmt denn mit meinem Gewand nicht, junger Knappe Erikson?“, fragte Jack empört und nahm sein Kettenhemd in Augenschein.
Erik schlug sich die Hand vors Gesicht. Das konnte doch echt nicht wahr sein. Er hatte sich das Wochenende in der WG seines großen Bruders doch etwas anders vorgestellt. Als Jack am Vortag von der Uni kam, hatte er von irgendeinem Kumpel ‚richtig gutes‘ Gras mitgebracht und gemeinsam hatten sie den Abend mit ein paar Bierchen und ein paar Dübeln verbracht. Robert und er waren irgendwann im Rausch weggepennt, als sie wieder aufgewacht waren, war sein großer Bruder nirgends in der Wohnung zu finden.
„Warum muss er eigentlich ausgerechnet meinen Namen verändern… und warum bin ICH der Knappe??“, zischte Erik zu Robert und wand sich anschließend wieder Jack zu: „Jack… du hast dich in Alufolie eingewickelt! Dein ‚Schwert‘ ist ein Toilettenpapierrollenhalter. Und is das da ein Nudelsieb auf deinem Kopf?“
Verwirrt griff Jack nach seinem Helm. „Was? Was ist dieser Totletenpapierolenalter und dieses Nudelsieb für ein Ding, von dem Ihr da sprecht? Seid Ihr auf dem Weg hierher in Pferdemist ausgerutscht und habt Euch Euren Kopf an etwas angeschlagen? Meine Klinge, Excalibertus, ist die schärfste und, in meinen Händen, totbringenste Waffe! Und das! Das ist ein edler Helm aus feinstem Stahl!“, rief der junge Ritter aufgebracht und fuchtelte mit seinem Nudelsieb herum. Hilfesuchend sah Erik zu Robert, der zuckte jedoch nur entschuldigend mit den Schultern. Hier und da liefen einige Passanten, Kinder oder Jogger durch den Park und beäugten die drei jungen Männer neugierig. Erik wollte am liebsten im Erdboden versinken. Wenn er seinen Eltern von dem Wochenende in der Hauptstadt erzählte, würde er diese Episode garantiert weg lassen, dass wusste er jetzt schon.
„Okay, okay. Wir verstehn dit schon, Jack. Du bist nen edler Ritter undso. Aber…“, unsicher sah Robert zwischen den Brüdern hin und her, während er überlegte, wie er seinen Mitbewohner wieder zurück in die WG bugsieren konnte, „Aber hier is ken Drache. Also… Ick meine.. doch.. also.. hier war ma, aber dit is schon ne janze Weile her. Weil… den haste schon ma jetötet.“ Robert versuchte so überzeugt, wie möglich zu klingen, was in Anbetracht der Umstände gar nicht so einfach war.
„So?“, fragte Jack und setzte seinen Helm wieder auf. Nach kurzem Überlegen meinte er: „Nun, ich bin ein großer und ehrenwerter Ritter, der schon unzähligen Drachen das Leben ausgehaucht hat, vielleicht, habe ich auch diesem schon den Gnadenstoß gegeben… Jedoch sollte ich auf Nummer sicher gehen, ehe wir uns wieder auf meine Burg begeben. Ich kann mein geliebtes Volk schließlich nicht einem so üblen Ungeheuer überlassen!“
Mit diesen Worten drehte Jack sich um und stampfte, mit zum Kampf erhobenem Schwert, über die Parkwiese. Erik stieß Robert in die Seite.
„Jetzt mach doch mal was!“, forderte er. Robert nickte und eilte seinem Mitbewohner hinterher.
„Ehm… Moment, wartet! Eure… ehm… Ritterlichkeit…“
„Was gibt es, wehrtester Ritter Robert? Wollt Ihr Euch mit mir in den Kampf stürzen?“, fragte Jack und verlangsamte seinen Schritt für einen Moment.
„Ick… ick hab jans verjessen Euch zu sagen.. ehm.. ja.. ehm.. dat.. dat Eure holde Maid uff Eure Burg zurückjekehrt is. Die… die war ja ne janze Weile weg, bei.. bei.. ja weg halt.“
„Meine Liebste ist zurückgekehrt?“, fragte Jack und fühlte, wie sein Herz einen freudigen Tanz in seiner Brust aufführte, „Nun denn, da ich das ehrlose Ungeheuer bereits einmal besiegte, so kann ich nun auch zu meiner geliebten Maid eilen!“
Erik deutete Robert einen Daumen hoch an und griff nach der Klopapierrolle, die Jack fest umklammert hielt.
„Bitte. Gib mir dein Schwert, ich trag das für dich. Und den Helm am besten auch, dann kannst du schneller zu deiner Holden eilen.“
Das kleine Mädchen, welches noch immer mit ihrer Barbie im Sandkasten spielte, winkte dem seltsamen Ritter noch einmal nach, als die Jungs gemeinsam den Berliner Stadtpark verließen.

8 Kommentare zu „#writingFriday Februar19_01

  1. Oh wie toll und witzig deine Geschichte geworden ist 😀 ich finde es unglaublich gut wie du die passende Schreibweise für deinen Ritter gefunden hast 😀 Besonders bei seinem Namen warst du überaus kreativ! Grossartig! ❤

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  2. Das war eine sehr unerwartete, aber sehr lustige Umsetzung dieses Themas, köstlich! 😀
    Auch, wie unser ehrenwerter Ritter Jack durchsickern lässt, dass er sich in Berlin befindet und wie du das in seinen Namen und seiner Art und Weise des Artikulierens ausgedrückt hast, gefällt mir sehr gut. ^^
    Ich frage mich echt, was er da für ein „Zeug“ bekommen hat, dass er darauf so reagiert hat, das ist sehr ungewöhnlich, aber umso lustiger. xD
    Und mir gefällt auch dieser Bruch sehr gut zwischen dem altehrwürdigem Ausdruck und dem plumpen Berlinerisch, sehr gut! 😀

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