#WritingFriday Februar19_02

writingfriday2019_header

Die Woche ging vorbei, wie im Flug und schon haben wir wieder #writingFriday! Was es damit auf sich hat und wie ihr mitmachen könnt, erfahrt ihr bei der lieben Elizzy. Außerdem könnt ihr hier ihren heutigen Beitrag lesen oder auch meine letzte #writingFriday.

Genug geredet! Mein heutiges Thema lautet:

Maren verabredet sich an Valentinstag mit einem Unbekannten, erzähle von diesem Date.

Dieses mal ist mir mein Beitrag etwas länger geraten (Bei Word waren es fünf Seiten^~^) Aber ich wünsche dennoch viel Spaß beim Lesen!

__________________________________________________________

Ich trank einen Schluck Kaffee und ließ mich weiter in den gepolsterten Sitz sinken. Der Kaffee schmeckte bitter und war mittlerweile schon fast kalt. Er war nichts Besonderes, nur ein einfacher Filterkaffee. Und dennoch hatte ich 3,75 € dafür ausgegeben, nur um in einem hippen Café zu sitzen und von den anderen Gästen entweder ignoriert oder komisch angesehen zu werden. Ich wusste, dass ich einfach nicht in diese Welt passte und ging ihr auch am liebsten aus dem Weg, aber seitdem ich sie gesehen hatte, musste ich hier einfach rein gehen. So versank ich also in dem unbequemen Polster und scrollte in meinem Handy rum. Maren hieß sie und war vermutlich das schönste Wesen, dass ich jemals gesehen hatte. Ich scrollte durch ihr Instagram-Profil und ließ meinen Kaffee noch kälter werden. Bilder vom Reiten, Bilder von Konzerten, Bilder von verschiedenen Büchern, Bilder vom Essen zuhause oder in irgendwelchen Restaurants und in ihrer Story fand sich fast jeden Morgen ein Bild von einem Starbucksbecher und einem Muffin. In Glitzerschrift betitelte sie es jedes Mal als ihr Frühstück.

Ich sah von meinem Display auf. Ein dunkelhaariges Mädchen, das auf einem Barhocker am Fenster saß, knipste ein Foto von ihrem Kaffee und tippte in ihr Handy. Kurz darauf umkreiste Marens  Profilbild ein bunter Kreis. Ich tippte darauf und sah mir ihren Frühstücks-Post an. Dann griff sie nach ihrer Tasche und verließ das Starbucks.

Ich seufzte, ließ meinen kalten Kaffee stehen und folgte ihr. Während ich ihr durch die Stadt in Richtung Universität hinterher tapste, wechselte ich die Plattform und scrollte am Handy durch ihr Facebook-Profil. Seitdem ich sie in der Uni das erste Mal gesehen hatte, hatte ich Stunden damit verbracht, um herauszufinden, wer diese Schönheit war. Über Kommilitonen erfuhr ich, dass sie Maren hieß und der Rest war dann eigentlich ganz einfach. Während meiner Vorlesungen durchforstete ich das Internet nach jeglichen Informationen, die ich über sie finden konnte. Instagram, Twitter, Facebook, Ihre Emailadresse. Selbst ihren YouTube-Account und ihren alten SVZ-Account hatte ich gefunden. Ich folgte ihr mit einem extra angelegten Account in jedem sozialen Netzwerk und sammelte alle Fotos, Posts und Kommentare, die ich von ihr finden konnte. Mit jeder Information verliebte ich mich mehr in sie. Sie war perfekt. Sie mochte die gleichen Bands, wie ich. Sie spielte gelegentlich Computerspiele. Sie lass die gleichen Bücher, wie ich und studierte sogar die gleiche Fächerkombination, Philosophie und Geschichte. Der einzige Unterschied war ihre offensive Präsenz. In der Onlinewelt, wie in der realen Welt. Während ich eher ein unscheinbarer Mensch war, der zwar lebte, aber für die meisten nicht wirklich existent zu sein schien, war sie jemand, der jedem im Gedächtnis blieb und durch ihre bloße Anwesenheit auffiel. Es war, als wäre ich ihr Schatten und so begann ich, ihr nicht nur im Netz, sondern auch im echten Leben überall hin zu folgen.

Nach ein paar Monaten hatte ich irgendwann den Mut, ihr zu schreiben. Es war nichts Besonderes, nur ein kleiner Kommentar unter einem ihrer Bilder, welches sie nach einem Konzert von Linkin Park hochgeladen hatte. Aus irgendeinem Grund hatte sie mir geantwortet und nun schrieben wir schon seit einiger Zeit fast jeden Tag miteinander. Dass ich dabei fast immer irgendwo in ihrer Nähe stand und ihr Gesicht auf irgendeine Reaktion absuchte, wenn sie meine Nachrichten las, wusste sie jedoch nicht. Ich war einfach zu feige, sie direkt anzusprechen, aber ich war mir sicher, dass sie doch auch irgendetwas zwischen uns spüren musste, wenn wir miteinander schrieben. Wieso sollte sie sonst überhaupt mit einem doch eigentlich Fremden schreiben? Da musste doch irgendetwas sein! Daher beschloss ich auch, es heute zu wagen.

Während wir aus der Bahn ausstiegen und auf den Eingang der Universität zuliefen, öffnete ich den Messanger und schickte ihr ein guten Morgen. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Sie zog ihr Handy aus ihrer Jackentasche und tippte auf dem Display rum. Ein kurzes Lächeln umspielte ihre vollen Lippen, dann tauchte bei mir ein guten Morgen mit einem lächelnden Smiley auf. Es war so weit. Wie in Trance tippte ich die Worte ein und mein Herz rutschte mir in die Kniekehlen, als ich auf den Senden-Button tippte. Unsicher lief ich in das Lehrgebäude, ihre Reaktion konnte ich nicht mehr sehen, da sie in dem Trouble aus Studenten untergegangen war und ich keine Zeit mehr gehabt hatte, um noch weiter nach ihr Ausschau zu halten. So begab ich mich in den Seminarraum und setzte mich in die Ecke der hintersten Reihe. Während der Dozent versuchte, mit uns über Platons Politeia zu sprechen, sah ich immer wieder nervös auf mein Handy und wartete auf eine Antwort.

_____

Maren ließ ihre Tasche neben sich auf den Boden fallen und setzte sich in die Fensterreihe des Seminarraums. Langsam packte sie ihr Zeug aus und schielte dabei immer wieder auf ihr Handy. Lass uns doch gemeinsam den Valentinstag boykottieren! 20.00 in deinem Lieblingsitaliener? Sie schrieb jetzt schon seit etwa einem Monat mit einem Typen, über den sie in Relation zu dieser Zeit doch eigentlich überhaupt nichts wusste. Anfangs empfand sie es als etwas komisch, mit jemandem zu schreiben, den sie nicht kannte und der eigentlich fast nichts über sich preisgab, doch schnell hatte sie irgendwie Gefallen an diesem kleinen Spielchen gefunden. Ein Großteil ihrer Freundinnen hielt nicht viel davon und ihre Eltern wären vermutlich ausgeflippt, wenn sie davon gewusst hätte, hatten sie sie doch immer zur Vorsicht im Internet gebeten. Nur Tina, ein Mädchen, dass sie an der Uni kennengelernt hatte, fand das alles unglaublich romantisch.

Maren lehnte sich zurück und starrte auf ihr Display. Sie überlegte, was sie antworten sollte, als Tina durch die Tür gehüpft kam und sich keuchend neben ihr auf den Stuhl fallen ließ.

„Also diese Stufen bringen mich irgendwann noch um!“, keuchte sie und schmiss ihren Rucksack und ihren Schal auf den Tisch. Sie baute meistens eine kleine Mauer, damit die Dozenten nicht sofort sahen, dass sie alles andere tat, als sich auf das Seminar zu konzentrieren. Als Tina Marens nachdenkliche Mine bemerkte, stupste sie sie in die Seite.

„Okay, was is los Mari?“

„Er will sich mit mir treffen. An Valentinstag“, sagte Maren und sah ihre Freundin an.

„Wie romantisch!“, rief die freudig aus und stupste Maren noch mehr in die Seite, „Das wird aber auch Zeit!“

„Du meinst, ich sollte hingehen?“, fragte Maren unsicher.

„Ja klar solltest du! Also bitte, was für eine Frage“, empörte sich Tina und schüttelte theatralisch den Kopf.

_____

Zum wiederholten Male atmete ich tief ein und aus. Meine Hände schwitzten vor Nervosität und ich ertappte mich dabei, wie ich ständig zur Tür sah. Es war dreiviertel acht und ich saß bereits in dem kleinen Italiener, an einer Ecke des Rathauses und wartete sehnsüchtig auf sie. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als Marens Zusage auf meinem Display aufgeleuchtet war und hatte mich sofort sorgfältig vorbereitet. Nun saß ich in einem schlichten Hemd und einer kleinen Orchidee an einem Nischentisch und wartete. Ich war schon viel zu früh losgegangen und deswegen schon eine halbe Stunde vor der verabredeten Zeit beim Italiener angekommen.

Als Maren endlich durch die Tür trat und sich in dem kleinen Lokal umsah, spürte ich wieder, wie mir das Herz aus der Brust springen wollte. Ich hob die Hand und versuchte, meine Nervosität mit einem Lächeln zu überspielen. Unsicher sah sie mich an und kam dann auf meinen Tisch zu. Ich stand auf, um sie zu begrüßen.

„Bist du Anton?“, fragte sie und sah unsicher zu mir herauf.

„J-ja..“, antwortete ich und bot ihr einen Stuhl an.

Sie setzte sich und sah sich in dem geschmückten Raum um. Verzweifelt versuchte ich, die Nerven zu behalten. Wie ein kleiner Junge streckte ich ihr die Orchidee entgegen und stammelte: „Die… ehm.. die ist für dich. Ich dachte, die könnte dir gefallen.“ Was heißt ‚ich dachte‘? Ich wusste, dass Orchideen ihre Lieblingsblumen waren. Und vor allem die weißen, mit dem leicht dunklen Rand. Sie nahm die Blume und roch daran. Ich hatte extra eine genommen, die ihren Duft nur ganz dezent verströmte, so wie Maren es mochte. Sie lächelte leicht und mein Herz machte erneut einen Sprung. Sollte ich diesen Abend irgendwie überleben, würde ich danach vermutlich Herzkreislaufstörungen haben.

„Danke“, flüsterte sie und ich glaubte, Verlegenheit in ihrer Stimme zu hören. „Das ist eine etwas seltsame Art, den Valentinstag zu boykottieren, findest du nicht?“, fragte sie und sah mich direkt an. Sie hatte sich geschminkt. Warum hatte sie sich geschminkt? Sie mochte keine Schminke, sie benutzte das Zeug nie… warum hatte sie es heute benutzt?

„Ich ehm..“, begann ich und atmete einmal tief durch, „Es ist mehr eine Art stiller Protest.“

Sie sah mich etwas verwirrt an, ließ es jedoch dabei bewenden. Es legte sich eine kurze Stille zwischen uns. Was sollte ich sagen? Sollte ich ihr ein Kompliment machen?

„Du..“, begann ich und ließ den Satz unvollendet.

„Ich..?“, fragte sie und lachte nervös. Ich musste etwas tun, irgendetwas, bevor die Stimmung kippte, ehe sie überhaupt irgendwie aufgebaut werden konnte. So suverän ich im Chat auf sie gewirkt haben mag, so unsicher war ich, wenn es um Konversationen im realen Leben ging. Sie musterte mich und ich sah in ihren Augen, dass sie diesen charakterlichen Unterschied zwischen mir und der Person, mit der sie geschrieben hatte, bemerkte. Was sollte ich tun?

„Wie geht es deiner Oma?“

„Meiner Oma?“, fragte sie und blinzelte verdutzt.

„Ja“, ergriff ich diesen Strohhalm und versuchte, mich daran entlang zu hangeln. Ich wusste so vieles über sie. Ich wusste alles über sie. Da sollte ich doch ein Gespräch aufbauen können, „Sie hatte doch eine Hüft-OP. Letztes Jahr müsste das gewesen sein, du hattest dir ganz schön Sorgen um sie gemacht.“

Maren blinzelte ein paar Mal bevor sie antwortete: „Ja ehm.. ja, es geht ihr wieder besser. Sie kann schon wieder laufen. Zwar mit Krücken, aber es wird. Ich… ich erinnere mich gar nicht, dir das erzählt zu haben?“

„Hast du auch nicht. Das hatte ich zufällig über Facebook oderso mitbekommen“, antwortete ich schnell. Das kam vermutlich besser an, als zuzugeben, dass ich ihre Chats mit ihrer Familie und ihren Freunden gehackt hatte.

Wieder legte sich eine seltsame Stille zwischen uns. Maren lachte leicht nervös, „Wo bleibt denn der Kellner bloß? Langsam hab ich Hunger, er sollte uns mal die Speisekarte bringen.“

Ich nahm einen Schluck Wasser und versuchte, sie freundlich anzulächeln. „Das ist nicht nötig“, sagte ich und ließ meinen Blick dabei über ihren Körper gleiten, „Ich hab schon für uns bestellt.“

Sie sah gut aus, in dem Kleid, dass sie anhatte. Dennoch verwunderte es mich. Es war absolut nicht ihre Farbe und soweit ich wusste, besaß sie eigentlich keine Kleider. Vermutlich hatte eine ihrer Freundinnen es ihr geliehen.

„Du hast schon für uns bestellt?“, sie sah mich etwas verdattert an, versuchte jedoch, die Fassung zu bewahren.

„Ja. Ich war so frei, dein Lieblingsessen zu bestellen. Bandnudeln mit Tomatensahnesoße, Schrimps, Rucola und extra Käse.“

Verwirrt sah sie mich an und ich versuchte ihren Blick mit einem Lächeln zu erwidern. Unsicher griff ich über den Tisch nach ihrer Hand. Ob sie es zu schätzen wusste? Sie erwiderte meinen Händedruck nicht, zog ihre Hand jedoch auch nicht sofort wieder weg.

„Danke…“, flüsterte sie und starrte auf die Orchidee. „Ich… ich muss mal kurz für kleine Mädchen“, sagte sie und schob langsam ihren Stuhl zurück.

„Soll ich dich begleiten? Du gehst doch nicht gern allein auf fremde Toiletten“, bot ich ihr meine Hilfe an, doch sie winkte langsam ab und meinte, sie schaffe das schon und sei bald wieder zurück.

Ich wartete die nächsten zwei Stunden geduldig darauf, dass Maren zurückkehrte, doch sie kam nicht. Niedergeschlagen verließ ich das Lokal. Was hatte ich falsch gemacht? Ich hatte ihr mein Interesse gezeigt, ich war zuvorkommend und freundlich gewesen und…. Was hatte ich falsch gemacht? Aufgebracht trat ich auf dem Weg nach Hause eine leere Coladose über die Straße. Wie konnte sie mich nur so verschmähen? Ich seufzte und ließ mich in meinem Zimmer auf mein Bett fallen. Vielleicht war es einfach zu früh gewesen? Vielleicht hatte ich sie damit einfach zu sehr überrumpelt und ich musste ihr mehr Zeit geben, um einzusehen, wie perfekt wir zwei zusammen passten. Ich wischte mir eine Träne aus dem Augenwinkel und griff nach meinem Handy. Ich hatte eine zweite Chance verdient. Ich würde ihr schon noch beweisen, dass ich der Richtige für sie bin.

_____

Maren kuschelte sich in ihre Decke und scrollte durch ihr Handy. Der Abend mit Anton war nicht lang gewesen und dennoch hatte er sie verstört. Nachdem sie ihn auf allen Netzwerken als Follower blockiert hatte, legte sie ihr Handy neben sich und zog ihre Decke bis unters Kinn. Woher wusste er, dass ihre Oma eine OP hatte? Sie hatte ihm das nie erzählt und sie hatte auch keinen Post dazu verfasst, weil ihre Mutter das nicht gewollt hatte. Und auch die anderen Sachen und die Tatsache, wie er sie immer wieder gemustert hatte, sorgten dafür, dass sie sich unglaublich unwohl gefühlt hatte.

Maren zuckte leicht zusammen, als ihr Handy vibrierte und das Display aufleuchtete. Der Anzeigebildschirm informierte sie darüber, dass sie einen neuen Follower bei Instagram hatte…

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu „#WritingFriday Februar19_02

  1. Erst musste ich etwas schmunzeln… Alles wird in einer Vorlesung gemacht; sogar gestalkt, nur nicht aufgepasst. xD
    „Sie baute meistens eine kleine Mauer, damit die Dozenten nicht sofort sahen, dass sie alles andere tat, als sich auf das Seminar zu konzentrieren.“…. Erwischt. ;D
    Oha… Am Anfang des Textes hat man schon gemerkt, dass Anton es etwas zuuu gut mit seiner Neugier meint. Aber dass er sogar ihre Chats gehackt hat?! Das würde wohl jeder/jedem zu viel sein. Ich habe bei dir auch gar keinen romantischen Ausgang dieses Abends erwartet… Stattdessen habe ich jetzt wieder die altbekannte Gänsehaut im Nacken, wie ich sie oft nach dem Lesen deiner Texte habe. 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Jaja Studenten eben xD
      Ja.. Anton meint es Vllt etwas zu gut, das hast du schön formuliert 😂
      Dankesehr, das nehme ich als Kompliment und es freut mich sehr ^^
      Ich hab beim drüber lesen bloß gemerkt, dass ich noch ein paar kleine Fehler ausbessern muss, die sind mir gestern abend gar nicht aufgefallen

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s