Buchrezension *3_Der letzte Engel

Lange hat es gedauert, aber endlich habe ich die erste Rezension des Jahres und meine mittlerweile dritte Rezension insgesamt aufs Papier gebracht. Lange genug hat es gedauert, möchte ich sagen. Aber neben Uni, Praktikum, Montagsfrage, WritingFriday, Büchern, die gelesen werden wollen, einem Sozialleben, Familie und und und… fand ich zwischendurch einfach keine Motivation dazu (Asche auf mein Haupt).

Aber genug des Vorgeplänkels und der Ausreden. Da ich den Zweiteiler gestern beendet habe und mir diese Tatsache noch immer wie ein Stein im Magen liegt, habe ich beschlossen nun eine Rezension über Der letzte Engel und Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis von Zoran Drvenkar zu schreiben.

Wie immer wird mir wohl jeder Bücherwurm zustimmen, dass es das schönste und gleichzeitig grausigste Gefühl ist, ein Buch (oder einen Mehrteiler) beendet zu haben. Zwar sind die schrecklichen Ereignisse endlich vorbei und die ans Herz gewachsenen Protagonisten können aufatmen, jedoch heißt es für den Leser auch Abschied nehmen.

Der letzte Engel ist eines der Fälle, bei dem es mir besonders Schwer fällt, Lebewohl zu sagen.

Doch schauen wir uns zunächst die beiden Klappentexte an:

Ein Engel wird schutzlos vor euch treten.

In seiner Brust wird eine Leere hausen,

die nur ein anderer Engel füllen kann.

Ich stützte mich mit den Händen auf dem Waschbecken ab und lachte los. Das war ja wohl das Durchgeknallteste, was ich je erlebt hatte. Ich verstand nicht, was hier passierte, und wartete darauf, dass ich aus diesem Albtraum erwachte und lässig aus dem Bett stieg. Mein Lachen endete abrupt. Die Erkenntnis traf mich mit voller Wucht.

Ich drückte mir eine Hand aufs Herz.

Nichts.

Ich suchte meinen Puls.

Nichts.

Ich ging nah an den Spiegel heran und betrachtete meine Augen. „Tot?“, hauchte ich und mein Atem beschlug den Spiegel nicht.

//

Jeder Anfang ist ein Ende

Und jedes Ende ist ein Anfang

In diesen Zeiten ohne Engel.

 

Zwei Engel ohne Flügel sitzen auf einem Friedhof und hören die Toten kommen. Der eine Engel bin ich, der andere Engel heißt Esko und beide sind wir schlecht gelaunt. Ich fühle mich ganz besonders mies, denn man hat mir vor einer Stunde die Flügel abgeschnitten, mich in mein eigenes Grab geworfen und mit Erde bedeckt. Keine Ahnung, wie ihr darüber denkt, aber ich finde, da hilft selbst der beste Sinn für Humor nichts, denn das kann man einfach nicht witzig finden. Da hilft auch nicht, wenn man nach einer Stunde wieder ausgegraben wird. Beerdigt werden ist nie spaßig.

 

Was sagen uns diese Klappenexte? Der erste erklärt uns ganz klar: jemand ist gestorben. Der zweite, dass dieser jemand nun ein Engel ist und ohne Flügel mit einem anderen Engel namens Esko an seinem Grab sitzt und hört, wie sich die Toten aus der Erde graben.

Motte ist ein normaler siebzehnjähriger, mit normalen Problemen. Bis er jedoch eines Abends eine Email bekommt, in der steht „Es tut mir Leid, aber morgen bist du tot“. Er hält es für einen schlechten Scherz, will die Nacht jedoch sicherheitshalber durch machen. Und schläft natürlich in den frühen Morgenstunden ein. So wird Motte zum Engel und versteht die Welt nicht mehr, so wie sein bester Kumpel Lars, der ihn als einziger sehen kann.

Plötzlich muss Motte gegen die Familie, eine Bruderschaft und eine uralte Prophezeiung ankämpfen. Sein Leben, wie er es kannte, war eine völlige Lüge und er steckt tiefer in alle dem, als es ihm lieb ist.

Im zweiten Band ist die Prophezeiung dabei sich zu erfüllen. Motte hat nicht viel Zeit um mit Lars, Esko, zwei weiteren unfreiwilligen Engeln und seiner Freundin in die Arktis zu reisen, um die Auferstehung eines uralten Volkes zu verhindern und sich seine Flügel zurück zu holen. Das gesamte Buch ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die beiden Bücher sind voll von sympathischen und nachvollziehbaren Charakteren, einer wundervollen Schreibweise und einer straffen und gut durchdachten Story. Die Ausmaße der Story reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück und sind detailreich und raffiniert in die Geschichte eingebunden. Während des Lesens hatte ich so einige Aha! Momente und hätte mir oft gewünscht, irgendwie eingreifen zu können.

Obwohl schon zwischendurch eindeutig gesagt wird, was am Ende mit dem ein oder anderen Charakter passieren wird, wünscht man sich doch teilweise bis zum letzten Satz, es würde irgendwie anders kommen, auch wenn es keinen anderen Weg gibt. Das sorgt für ziemlichen Herzschmerz, aber es entspricht vollkommen der Logik der Geschichte.

Jedem Fantasy Fan, der auch ein bisschen Thrillerfeeling und schwarze Romantik mag, dem ist dieser Zweiteiler nur zu empfehlen!

Einziges Manko ist für mich der teils kapitelweise Perspektivwechsel. Da jede Figur aus einer anderen Perspektive erzählt wird (einer spricht im Präteritum in der Ich-Perspektive, einer wird in der Gegenwart mit „du“ angesprochen, einer wird einfach in der dritten Person im Präsens erzählt). Das kann manchmal zu einer ziemlichen Verwirrung führen, vor allem, wenn man das Buch zwischendurch weg legt und nach einiger Zeit wieder aufnehmen will. Andererseits sorgt das aber auch für die eindeutige Zuordnung der Personen und eine genauere Herausbildung bzw. Unterstreichung der unterschiedlichen Charaktere.

Fazit:

Die Klappentexte verraten nicht mal einen Bruchteil von dem, was den Leser zwischen den Buchdeckeln eigentlich erwartet. Nach kurzer Zeit baut man eine Verbindung zu den Charakteren auf und schon bald hat einen das Buch so sehr in den Bann gezogen, dass man einfach wissen will, was es mit der Familie, der Bruderschaft und der Prophezeiung auf sich hat. Absolute Leseempfehlung für alle Fantasy Fans!

PS: Als Hintergrundmusik kann ich „Angelus“ von Subway to Sally nur empfehlen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s