#writingFriday Mai19_01

Endlich habe ich es mal wieder geschafft!

Ich muss zugeben, dass ich mich schon darüber ärgere, dass ich es letzten Monat nicht geschafft habe, eine writingFriday zu verfassen, da mir die Themen sehr gefallen haben! Naja, vielleicht nutze ich das ein oder andere auch einfach mal so, um einen Beitrag zu verfassen.

Die Schreibaufgaben für diesen Monat lauten:

  • Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.
  • Dein Handy berichtet über deine Macken.
  • Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

Bei der lieben Elizzy finden sich wie immer die Regeln zum Mitmachen und auch ihre eigenen Beiträge!

Mein letzter Beitrag, der nun leider schon wieder etwas zurück liegt, findet sich hier.

Mein heutiges Thema lautet:

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

Die folgende Geschichte ist angelehnt an das Doppelalbum „Verfallen 1: Astoria“ und „Verfallen 2: Fassaden“ von der Band ASP. Die Lieder müssen dazu nicht gekannt werden, wer sie kennt wird aber ein paar Parallelen finden und kann sie als kleine „Easter-Eggs“ ansehen. 🙂

Und nun viel Spaß mit der etwas lang geratenen Geschichte!

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Ungeschickt stolperte Anna über den Teppichrand. Sie stieß sich ihr Knie an dem alten Eichentisch und landete fluchend auf allen Vieren. Nachdem der Schmerz in ihrem Knie pochend abgeklungen war, lauschte sie mit angehaltenem Atem in die Dunkelheit des Hauses. Nichts. Völlige Stille legte sich in jeden Raum der ausladenden Villa. Anna schüttelte fast schon genervt den Kopf und rappelte sich langsam wieder auf. Sie verfluchte sich dafür, keine Taschenlampe mitgenommen zu haben und tastete sich weiter durch die Dunkelheit. Gerade, als sie sich an einem der Stühle festhielt, die um den Essenstisch aufgestellt waren, fiel ihr ein, dass ihr Handy doch eine Taschenlampenfunktion hatte. Mit zwei Fingern fischte sie das Handy aus der Hosentasche ihrer Jeans und tippte ein paarmal auf dem kleinen Bildschirm herum. In dem blassweißen Schein der Handylampe konnte sie endlich mehr erkennen, als ein paar schummrige Konturen. Jedoch war ihr damit auch nicht wirklich geholfen. Sie seufzte laut und sah sich in dem Essensraum um. Wo konnte er sein? Sie hatte wohl keine andere Wahl, als das Haus Etage für Etage und Zimmer für Zimmer nach ihrem kleinen Bruder abzusuchen.

„Tobias?“, fragte sie in die Stille hinein und war sich nicht sicher, ob sie rufen oder flüstern sollte. Der Junge blieb ihr eine Antwort schuldig und Anna begann, sich wohl oder übel in dem Haus umzusehen. Das Esszimmer im Erdgeschoss kam ihr fast genauso groß vor, wie die Mensa ihrer Schule. Während sie um den dunklen Holztisch herum ging und sich die Schnitzereien in den Stuhllehnen ansah, fragte sie sich, was ihr Bruder sich eigentlich dabei gedacht hatte, in die alte Villa am Ende der Straße einzusteigen. Zwar war auch sie neugierig gewesen, jedoch versprühte das Haus eine so seltsame Aura, dass selbst sie und ihre Freunde sich nicht hineingewagt hatten. Sie wünschte sich, sie hätte ihrem Bruder nie von den Geschichten erzählt, die über das alte Anwesen kursierten.

Nachdem sie die Wand mit den mannshohen Fenstern abgelaufen war, durch eines derer sie ins Haus gekommen war, kam sie am Stirnende des Tisches an. Dahinter an der Wand hing ein riesiges Gemälde. Anna hob ihr Handy, um zu erkennen, was auf dem Bild zu sehen war. Als der Schein ihrer Lampe auf die Leinwand traf, wurde Anna für einen Moment geblendet. Sie blinzelte und kniff die Augen zusammen. Es war ein Abbild der leerstehenden Villa, in der sie gerade stand. Jedoch wirkte das Haus ganz anders, viel belebter als heute und sie konnte an der Kleidung der Leute, die vor dem Gebäude standen, erkennen, dass das Gemälde wohl Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden sein musste. Anna runzelte die Stirn. Irgendwas an dem Bild war komisch. Erst beim zweiten Blick fiel ihr auf, was sie so sehr irritierte. Über den vorderen Fenstern der Villa stand in großen Lettern das Wort Astoria. Anna wusste nicht mehr, wie lange sie das Bild nun schon betrachtete. Sie vergaß alle Zeit, es hätten Minuten oder Tage vergehen können und es wäre für sie nichts weiter als ein Atemzug gewesen. Sie verlor sich in den feinen Pinselstrichen, die den luxuriösen Bau der Villa nachzeichnete wie die Schönheit einer geheimnisvollen Frau. Anna fühlte sich wie in den Bann gezogen. Je länger sie das Bild betrachtete, desto sicherer war sie sich, dass die Villa mit dem sonderbaren Namen ein Palast oder ein Tempel einer längst vergessenen Gottheit war. Plötzlich fühlte sie sich wie ein Gläubiger, der beim Betrachten eines Doms beseelt auf seinen Knien dem Schöpfer dankt. Es war, als wäre ein tiefes Sehnen in ihrer Brust erwacht und schlagartig schlich sich der Gedanke in ihr Bewusstsein, dass sie hier hingehörte. Zumindest zum Teil. Sie wusste nicht, was da plötzlich über sie gekommen war und blinzelte verwirrt, als ihr gewahr wurde, dass sie wirklich niedergekniet war. Kopfschüttelnd löste sie den Blick vom Gemälde und rappelte sich wieder auf. Wie lange saß sie nun schon hier und starrte sinnlos vor sich hin? Kopfschüttelnd suchte sie den Weg in das nächste Zimmer.

Sie lugte in die Küche und rief erneut nach ihrem kleinen Bruder, jedoch wieder ohne Erfolg. Unschlüssig tapste Anna in die Eingangshalle und sah sich um. Auch hier hingen überall Gemälde in verschiedenen Größen. Sie beließ es bei einem flüchtigen Blick, um nicht wieder in diesen seltsamen Bann gezogen zu werden und gerade, als sie sich an den Bildern vorbei und die Treppe nach oben schleichen wollte, fiel ihr Blick auf etwas Sonderbares. Sie blieb am Fuße der Treppe stehen und betrachtete die Bilderreihen, welche die Stufen hinauf bis an den oberen Treppenabsatz reichten. Auf den ersten Blick waren es einfache Portraits, jedoch befiel Anna beim Betrachten eine seltsame Gänsehaut.

Langsam ging sie die ersten Stufen nach oben und betrachtete die Bilder. Bei jedem, das sie ansah, schien es ihr, als ob es einen Teil hätte, der zu realistisch war, um gemalt zu sein. Bei den meisten war es ein Stück der Kleidung, bei anderen aber konnte Anna nicht genau sagen, was sie daran störte. Sie blieb in der Mitte der Treppe an einem Bild stehen und betrachtete die junge Frau, die darauf abgebildet war. Loreley stand in geschwungenen Buchstaben auf der unteren Kante des Rahmens. Anna betrachtete die Frau für eine Weile, bis ihr auffiel, was sie an dem Bild so sehr irritierte. Die blonden Haare, die der Frau über die Schultern fielen, wirkten auf beunruhigende Weise echt. Mit zitternden Fingern tastete Anna die Leinwand ab. Ein grausiger Schauer lief ihr über den Rücken, als sie die fein eingearbeiteten Haare berührte. Erschaudernd zog sie die Finger wieder zurück. Sie redete sich ein, es sich nur eingebildet zu haben und wollte daran glauben, dass ihre Phantasie ihr nur einen Streich spielte. Jedoch wollte sie es nicht noch einmal überprüfen und wandte sich von den Portraits ab.

So schnell sie konnte, rannte sie die Treppe hinauf und drang tiefer in die Eingeweide des Hauses vor. Ihre Schritte hallten durch den langen Flur, der links und rechts mit noch mehr Portraits gesäumt war. Im schummrigen Schein ihrer Handylampe meinte Anna, hier und da Haare, Gegenstände oder gar Personen in den Ecken und Nischen auszumachen, sie nahm sich jedoch davor in Acht, noch einmal genauer hinzusehen.

Je tiefer sie in das seltsame Haus vordrang, desto betörender erschien es ihr. Es war, als wäre sie das erste Mal zuhause angekommen. Gleichzeitig fühlte sie sich dort nur halb zu Haus. Eine undefinierbare Mischung aus Abscheu und Geborgenheit brodelte in ihrem Magen. Während sie so durch die Flure und Gänge irrte, die beinah kein Ende zu nehmen schienen und ihren Orientierungssinn langsam mit jedem Schritt weiter zermürbten und zerfallen ließen, vergaß sie beinah, warum sie überhaupt in die alte Villa geklettert war. Ein seltsames Geräusch ließ sie im Laufen erstarren und sie drehte sich einmal um sich selbst, konnte den Ursprung jedoch nicht entdecken.

„Tobias?“, fragte sie erneut in das grausige Gebäude und wartete auf eine Antwort. Plötzlich hörte sie ein unverständliches Gemurmel, eine Art Dröhnen, das aus noch entfernten Tiefen zu ihr heraufdrang.

„Tobias? Verdammt! Das ist nicht witzig. Komm endlich raus“, flehte sie in die Dunkelheit und strich sich einige Strähnen zurück, die ihr in die Stirn gefallen waren. Unschlüssig stand sie da und starrte vor sich hin. Letzten Endes hatte sie wohl keine andere Wahl, sie musste ihren kleinen Bruder wiederfinden. Was sollte sie sonst ihren Eltern sagen? Wie sollte sie das erklären? Nein, auf diesen Ärger konnte sie gut und gerne verzichten.

Seufzend ließ sie die Portraits und die Flure hinter sich und folgte dem Dröhnen in die Tiefen des Gebäudes. Sie verstand den seltsamen Aufbau der Villa nicht und fragte sich, was sich der Architekt eigentlich gedacht hatte, als sie mitten im Gebäude eine Treppe fand, die wohl in einen Keller führte. Diesmal sparte sie es sich, nach ihrem Bruder zu rufen und nahm gleich allen Mut zusammen, um den Geräuschen nach unten zu folgen. Nicht wissend, was sie dort erwarten würde.

Die Wände auf dem Weg hinab verloren Verzierung, Tapete und Glamour. Unsicher tapste sie weiter. Die Rohre, die aus dem Kellergewölbe nach oben krochen, durchdrangen das Gebäude wie Adern. Unwillkürlich durchzuckte Anna der Gedanke, dass sie auf dem Weg zum Herzen des Gebäudes war. Es wurde ihr immer unheimlicher, wie lebendig und gefährlich ihr die alte Villa vorkam. Als sich vor ihr ein großer Raum auftat, bemerkte sie einen alten Ofen, der pulsierend in einer Ecke des Raumes ratterte und zischte. Ihr eigenes Herz schlug ihr schmerzhaft doll im Hals und sie biss sich auf die Zunge, in dem kläglichen Versuch, sich selbst zu beruhigen.

„Tobias?“, flüsterte Anna fast ehrfürchtig und machte einen unsicheren Schritt in den Raum hinein. Ihr Fuß stieß an etwas Kleines und ein leises Klappern mischte sich unter das undefinierbare Dröhnen, von dem sie immer noch nicht genau wusste, woher es eigentlich kam. Anna senkte den Blick und ihr gefror das Blut in den Adern vor Schreck. Der Boden war knöchelhoch bedeckt von tausend kleinen Lebensteilen. Überall lagen Büschel von Haaren, Kleiderfetzen, selbst Haut, kleine Gegenstände und Anna meinte in dem schummrigen Licht sogar Knochen auszumachen. Ihr stockte der Atem. Es war als hätte die Villa von jedem, der sie jemals betreten hatte, ein Souvenir behalten. Anna musste an die alten Geschichten denken, die sie gehört hatte, in denen oft gesagt wurde, dass ein kleiner Teil von einem selbst wohl für immer an diesem schaurigen Ort bliebe.

Sie wollte erneut nach ihrem kleinen Bruder rufen, doch keine Silbe kam über ihre Lippen. Der Ofen in der Ecke knackte und surrte bedrohlich. Plötzlich öffnete sich die Klappe wie von selbst und ein schrilles Kreischen schien ihr zu entsteigen, ganz so als wäre es ein Mund. Anna ließ das Handy auf den Boden fallen, und presste sich die Hände auf ihre Ohren. Sie fragte sich, was zum Teufel hier eigentlich los war. Ihre Finger schmerzten, als würden sie verbrennen und sie glaubte, dass es plötzlich nach verbranntem Fleisch roch. Anna wollte die Augen verschließen, konnte ihren Blick jedoch einfach nicht von diesem grausigen Bild losreißen. Sie starrte sich ihre Augen wund und die Panik presste die Luft aus ihren Lungen. Unwillkürlich fiel sie auf die Knie. Die Knochen um sie herum klapperten und scharrten, als sie dazwischen zu Boden sank. Panisch ging ihr Blick hin und her. Sie konnte sich nicht daran erinnern, auf den Ofen zugegangen zu sein, dennoch saß sie plötzlich in Mitten des dunklen Kellers. Schreiend versuchte sie sich von dem Bann loszureißen. Sie warf sich auf die Stelle, an der ein schwaches Licht durch die Gegenstände schien und begann, ihr Handy zu suchen. Der Ofen hinter ihr knarzte und kratzte, als würde er sich auf sie zu bewegen. Der Raum schien sich um sie zu drehen, wie ein wildgewordenes Karussell und Anna wollte am liebsten einfach Aussteigen. Ihr wurde schlecht, ihre Augen tränten und ihr Kopf schien regelrecht zu explodieren. Sie suchte verzweifelt nach ihrem Handy, konnte es in der Masse an Kram jedoch einfach nicht finden. Als ihr plötzlich ein dunkles Cap in die Hände fiel, das dem ihres Bruders erschreckend ähnlich sah, stieß sie einen gellenden Schrei aus. Obwohl sie auf dem Boden saß, hatte sie das Gefühl, als würde sie der Ofen zu sich rufen. Ohne sich zu bewegen, kam sie dem feuerspeienden Schlund immer näher und sie wusste, wenn sie nicht bald etwas unternahm, würde sie das Herz der Villa verschlungen haben. Mit Haut und Haar.

Endlich bekam sie ihr Handy zu fassen und riss es aus dem Sammelsurium. Sie sprang auf und rannte auf die Kellertreppe zu. Gerade, als sie die erste Stufe erreichte, vernahm sie ein leises Piepsen, dass ihr erneut das Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie flehte und bettelte, während sie die Treppe hoch stürmte. Gerade, als sie den oberen Treppenabsatz erreichte und in den Flur stolperte, erlosch das Licht und ein weiteres Piepsen machte ihr deutlich, dass ihr Handyakku leer war. Wie von der Tarantel gestochen hastete Anna keuchend durch die Flure, die einfach kein Ende nehmen wollten. Sie bog in irgendwelche Gänge ein und stieß gegen Beistelltische, Blumenvasen oder halb offene Türen. Wieder und wieder rappelte sie sich auf und versuchte weiter zu fliehen. Wieder und wieder kam es ihr selbst sinnloser vor.

Als sie ein erneutes Dröhnen wahrnahm, welches sich wie ein Pulsschlag durch ihre Glieder arbeitete, spürte sie die angsterfüllten Tränen über ihre Wangen rollen. Unsicher tippte sie die angelehnte Tür an, gegen die sie zuletzt gestoßen war. Ihr Atem stockte, als sie erneut das Herz der Villa vor sich sah, welches mit geöffneter Luke nach ihr zu rufen schien. Weinend und schreiend wehrte sie sich mit aller Kraft, während ihre Beine sie wie ferngesteuert dem gierenden Schlund entgegentrieben.

7 Kommentare zu „#writingFriday Mai19_01

  1. Toll das du wieder mitgemacht hast das freut mich sehr 😀 und wunderbar was du aus dieser Schreibaufgabe gezaubert hast. Mir lief es auf jeden Fall kalt den Rücken herunter! Toller Schreibstil!

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