Montagsfrage_Juni19_01

Nach geraumer Zeit hat sich mal wieder der glückliche Zufall ergeben, dass ich auf der einen Seite die Zeit habe, um mich damit zu befassen und es auf der anderen Seite mal wieder eine Montagsfrage ist, mit der ich selbst etwas anfangen, bzw. auf die ich etwas antworten kann.

Lauter&leise stellte diese Woche die Frage:

Wie bist du zum Lesen gekommen?

Das ist eine einfache und eigentlich sehr schöne Geschichte, die ich auch in einem Satz abhandeln könnte, jedoch wäre mir das zu einfach. Also wird folgender Beitrag ein kleiner Lobgesang auf meinen Papa.

Meine erster Kontakt mit Literatur ist so lange her, dass ich mich selbst gar nicht genau daran erinnern kann. Von klein auf hat mir mein Vater jeden Abend vorgelesen. Noch bevor ich in die Schule kam, kannte ich die Geschichten von den Gebrüdern Grimm, Wilhelm Busch oder Hans Christian Andersen auswendig. Für eine lange Zeit war meine Lieblingsgeschichte „Des Kaisers neue Kleider“, gleich gefolgt von der russischen Märchensammlung unter dem Titel „Kater Graustirn“. Dabei waren „Der Krapfen“ und „Der Storch und der Fuchs“ meine absoluten Favoriten!

Über viele Jahre war es in meiner Familie Tradition, dass nach dem Abendessen und vorm Ins-Bett-Gehen von Kleintilly eines der unzähligen Märchenbücher aus dem Regal gezogen und dari rumgeblättert wurde, bis ich ein Märchen gefunden hatte, was ich an diesem Abend hören wollte. Meistens wurde nach einem Märchen mit einem „Bitte, nur noch eins!“ ein weiteres eingefordert. Nach drei oder vier Märchen ist mein Vater dann meistens bei mir im Bett eingeschlafen – woraufhin ich ihn so lange angestupst habe, bis er wieder wach war und weiterlesen konnte. Das waren tolle Abende!

Manchmal hatte sich mein Papa sogar etwas Besonderes einfallen lassen und hat Rotkäppchen, Dornröschen oder Frau Holle per altem Dia an die Wand geworfen und die unter den Bildern stehenden Texte vorgelesen. Für den Fall, dass wir mal kein Buch zur Hand hatten, hatte er mir einfach aus dem Stehgreif heraus eine Geschichte erzählt. Meistens waren diese dann total durcheinander und wichen stark vom Original ab (so zum Beispiel der Hase und der Igel, die ein Wettrennen von BurgerKind zu McDonalds machen, wobei der Hase betrügt, indem er jedes Mal ein schnelleres Rad, Moped oder Auto nahm, aber dennoch verlor, weil Frau Igel am Ziel gewartet hat und mit einem „Bin schon da!“ so tat, als sei sie Herr Igel. Am Ende wurde der arme Hase, der unentwegt „Bin schon da! Bin schon da!“ rief in die Psychiatrie eingewiesen. Sei behandelnder Arzt hatte dann Nachforschungen angestellt und Igels Betrug aufgedeckt. Anschließend gab es noch ein ehrliches Rennen und der Hase wurde seine Psychose los und alle waren glücklich und zufrieden. – Es war eine meiner Lieblingsgeschichten).

Mein erstes eigenes Buch war dann eine illustrierte Geschichtensammlung von Wilhelm Busch. Und seitdem lassen mich Märchen, Gedichte und klassische Texte nicht mehr los. Ich liebe sie über alles und habe von Goethe über Brecht, Fontane, Wild, Busch, Grimm und Lindemann eine breit gefächerte Ansammlung verschiedenster Gedicht- und Geschichtenbände. Ein weiterer literarischer Begleiter über viele Jahre war Eragon. Und er ebnete den Weg für meine Liebe für Fantasy, die letzten Endes von Tolkien ausgebaut wurde.

Und zu guter Letzt begleitete meine Kindheit die Fear Street – Reihe von R.L. Stine. Mit jedem Taschengeld bin ich mindestens einmal im Monat in den Buchladen meines Vertrauens gegangen und habe mir ein neues Buch der Fear Street – Reihe gekauft. Mein absolutes Highlight war dann, als ich mit 12 zu Weihnachten das Buch „Wie alles begann“ bekommen hatte. Das war mit knapp 800 Seiten mein dickstes Buch gewesen und ich habe es verschlungen.

So wurde also von meinem Papa der Grundstein für meine Leidenschaft gelegt, die mittlerweile in einem begeisterten Literaturstudium mündete. Und dank verschiedener guter Bücher haben sich auch meine Genrefavoriten gebildet. Heutzutage lächle ich voll Stolz, wenn ich als LiteraturNerd oder BücherNerd bezeichnet werde. Ich habe  den Horizont der Realität mit meiner Phantasie erweitert und bin dadurch parallel auch noch zum Schreiben gekommen. Vielen Dank Papa, dass du diese Leidenschaft entfacht und immer unterstützt hast! Und danke an alle Autoren, die uns Bücherwürme immer wieder mit neuen Geschichten beglücken und uns darin ein Stück ihrer Seele schenken.

Wie seid ihr zum Lesen gekommen?

 

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