Montagsfrage Juli19_01

Einen wunderschönen guten Abend.

Wenn es etwas gibt, was ich in der Uni gelernt und verinnerlicht habe, dann ist es die Bedeutung und Umsetzung des Wortes „Prokrastination“ (und dessen Aussprache – das hatte wirklich eine Weile gedauert). Eigentlich müsste ich momentan meine Italienisch-Notizen durchforsten oder mir Karteikarten über das deutsche Kaiserreich anfertigen. Offensichtlich beschäftige ich mich stattdessen jedoch mit der heutigen Montagsfrage von der lieben lauter&leise, während ich auf dem Sofa lümmle und meine Ma neben mir „long iland medium“ schaut. Eine faszinierende Sendung, die mich schon ab und an über den Tod und das „Leben“ danach grübeln lässt.

Bevor ich nun jedoch noch weiter ausschweife, komme ich gleich zur heutigen Frage:

Buch mit Notiz?

Gibt es eine Frage, die die eingeschworene Gemeinschaft der Bücherfreunde mehr spaltet als diese? Ich würde fast behaupten: nein. Doch ich muss dazu sagen, dass ich selbst auf dem schmalen Grad zwischen den beiden Extremen „Bücher müssen zerlesen und genutzt aussehen“ (ich habe mich bewusst dafür entschieden „genutzt“ und nicht „benutzt“ zu schreiben) und „dieser heilige tätowierte Baum muss rein bleiben“ heimisch bin und je nach Umstand hin und her pendle. Man könnte sagen in meiner Burst schlagen diesbezüglich zwei Herzen. Inwiefern und warum möchte ich gerne erklären:

Ich liebe Bücher. Das ist wohl kein Geheimnis. Und daher liebe ich es, meine Bücher zu hegen und zu pflegen, denn sie sind meine kleinen Schätze. Wenn es nach mir ginge, hätte ich eine ganze Bibliothek in meinen heimischen vier Wänden, jedoch lebe ich nicht allein, daher geht es leider nicht gänzlich nach mir – aber darum soll es nun ja nicht gehen. Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann wenn meine Bücher vom Lesen Knicke in den Rücken oder Eselsohren zwischen den Seiten haben oder, wenn mit Bleistift, Textmarker oder Kuli reingeschrieben/-kritzelt wurde. Für mich persönlich grenzt es an eine Verschandelung und, wenn das jemand mit meinen Büchern machen würde sogar schon fast Körperverletzung. (Übertreibe ich? Vielleicht etwas.. aber ich liebe Übertreibungen)

Kaufe ich ein neues Buch, dann möchte ich, dass es genauso ordentlich und schön in meinem Regal steht, wie es das im Laden tat. Vor allem bei literarischen Büchern. Gleichzeitig liebe ich es, intensiv mit Büchern zu arbeiten, sie wirklich zu erleben und ich kann auch verstehen, wenn manche sich ihre Lieblingsstellen markieren wollen. Ich selbst bin mittlerweile dazu übergegangen meine Lieblingszitate rauszuschreiben. Das hat mittlerweile so sehr überhand genommen, dass eine Pinwand in meinem Zimmer voll ist mit verschiedenen Bücher- und Liederzitaten in Altdeutsch oder verschiedenen Schriftarten (eventuell habe ich auch einen kleinen Faible für Kalligraphie). In manchen Büchern habe ich außerdem Klebezettel mit Notizen.

Kommen wir nun zu den Ausnahmen, die mich auf die Seite „Bücher müssen zerlesen und genutzt aussehen“ pendeln lassen:

Ich liebe es, auf Flohmärkten oder in Antiquariaten nach Büchern zu stöbern. In diesem Falle würde es mich wohl eher irritieren, wenn sie keine Knicke, Eselsohren oder Markierungen hätten. Irgendwie macht das den Charme dieser alten Bücher erst wirklich aus und ich fange an mich zu fragen, was der Vorbesitzer sich bei dieser oder jener Notiz wohl gedacht hat. Gleichzeitig ist dieser Fall aber auch irritierend, da ich die „Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege habe“ (Zitat meiner Freunde) und mich die Notzien und Markierungen eher vom eigentlich Text ablenken. Es ist also eine kleine Gradwanderung zwischen faszinierend und ablenkend.

Ein weiterer Grenzfall bilden für mich Fach- und Sachbücher. Gerade für die Uni arbeite ich hier und da viel und intensiv mit solchen Büchern und aufgrund meines Studiengangs auf diese Art und Weise auch mit literarischen Texten. Das mache ich ehrlich gesagt aber selten und nur dann, wenn das Buch mir persönlich nicht so viel bedeutet. (Beispiel: In dem Buch „Die andere Seite“ von Kubin habe ich für die Uni hier und da Markierungen und Notizen gemacht, bei „Frankensteins Monster“ von Shelley jedoch nicht – es kommt also auch drauf an, wie ich zu dem jeweiligen Buch stehe: Arbeite ich „nur“ für die Uni daran oder habe ich auch ein persönliches Interesse an der Geschichte zwischen den Seiten?) Bei Fachliteratur, die ich für meine Hausarbeiten benötige schreibe ich ebenfalls hier und da ins Buch. Um dem inneren Konflikt zu entgehen, setze ich mich jedoch hier und da auch mal an den PC und tippe mir für jede Seite, die ich nutze die wichtigen Informationen in Stichpunkten ab. Wahlweise kopiere ich mir die Seiten und markiere dann auf der Kopie rum. (Diese beiden Varianten verwende ich vor allem dann, wenn ich die Bücher aus der Bibliothek habe und sie dementsprechend – leider – wieder abgeben muss.)

Ein schwieriges Thema, dass wohl auf ewig einen Keil zwischen die Bücherfreunde treiben wird. Oder nicht?

Notizen oder keine Notizen? – Das ist hier die Frage!

Wie sieht eure Antwort aus? Lasst mir doch einen Kommentar da oder bezieht selbst Stellung im ewigen Kampf um die Arbeit mit Büchern.

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