Konzertreview*1_Rammstein_Prag2019

Das Konzert ist nun zwar bereits ziemlich genau eine Woche her, aber ich möchte dennoch ein kleines Review verfassen. Anbetracht der Fülle an Eindrücken, die ich innerhalb von nicht ganz 48 Stunden gesammelt habe, finde ich es eigentlich sogar ganz angenehm, es nun mit einem gewissen Abstand niederzuschreiben.

Am Dienstag früh um halb neun haben wir uns wirklich auf die Reise gemacht und sind mit dem Zug nach Leipzig gefahren, von wo aus wir nach Dresden und schließlich nach Prag gereist sind. Die Fahrt war ruhig und sehr angenehm. Hier und da wurde ich bloß etwas seltsam von manchen Menschen beäugt, wenn ich voller Begeisterung aus dem Fenster schaute und meinen Freund fragte, was manche Gebäude sind, was das für ein Fluss ist oder ihn einfach auf die schöne Aussicht aufmerksam gemacht habe. Aber was soll ich sagen? Ich bin eben so begeisterungsfähig wie eine fünfjährige, die zum ersten Mal in den Zoo geht. Oder wie manche Freunde es formulieren: „Du hast die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege!“ Wo sie recht haben, haben sie recht.

Ehrlich gesagt wollte ich ja bis zum Stadion in Prag nicht glauben, dass wir wirklich auf dem Weg nach Prag waren und wir wirklich auf das Rammsteinkonzert gehen. Also, ich wusste das schon, irgendwo tief drinnen war es mir vermutlich auch gegenwärtig. Aber allein aus der Tatsache heraus, dass die Tickets nicht aus dem Originalshop, sondern innerhalb eines Reisebundles waren, ließ mich doch stark daran zweifeln, ob das alles wirklich funktionierte. Auch, da wir die Konzertkarten erst im Hotel in Prag, zwei Stunden vor Einlassbeginn erhalten sollten. Das stank doch alles schon bis zum Himmel  nach Betrug oder sowas. Und dennoch saß ich da in diesem Taxi, dass uns vom Prager Hauptbahnhof zum Hotel brachte, während der Fahrer uns von der Fülle deutscher Touristen erzählte, die alle samt zum Konzert wollten. Der Eindruck eines „Heimspiels“ für Rammstein mit überwiegend deutschen (und angeblich auch ein paar französischen Fans) verstärkte sich, als wir im Hotel ankamen. Gleichzeitig beruhigte mich der Gedanke, dass wir nicht die Einzigen waren, die das Reisebundle in Anspruch genommen hatten, da ansonsten keine Karten mehr zu bekommen waren.

Nun sollte ich vermutlich einschieben, dass wir letztes Jahr über zwei Laptops und zwei Handys versucht hatten, an Karten für Dresden oder Berlin ranzukommen. Natürlich schmierte der Server mehrfach ab, als ich die Karten gerade im Warenkorb hatte und dann waren alle Konzerte ausverkauft – es war zum Haare raufen. Meine Haare habe ich zwar nicht ausgerissen, aber ich habe doch bitterliche Tränen vergossen. Das kann nun wohl nur jemand nachvollziehen, der ein großer Fan von irgendwas ist, das sein Leben nachdrücklich prägt.

Freude und Angst mischten sich also gleichermaßen in meinem Herzen, dass mir bis zum Halse schlug, als wir am Stadion ankamen. Wir teilten uns die Bahn mit einigen anderen deutschen Fans und keiner hatte so wirklich eine Ahnung, wo wir eigentlich aussteigen mussten. Glücklicherweise hatten wir vorher extra im Hotel nachgefragt. Als wir an unserer Haltestelle ankamen, sprangen die Fans auf und folgten uns lachend, als ich den Arm hoch hielt und „Reisegruppe Rammstein!“ rief. Das war lustig. Ein weiterer Grund, warum ich Konzerte und Fansein so liebe: Es ist jedes Mal wie ein kleines Familientreffen. Selbst, wenn man die Leute eigentlich gar nicht kennt. Man hat sich irgendwie automatisch lieb.

Als der Einlass begonnen hatte und mein Freund und ich durch die Schleuse am Eingang in das Stadion traten, tat ich Luftsprünge vor Freude! Und das meine ich wortwörtlich: Ich bin rumgesprungen wie ein Flummi, habe gequietscht und gelacht und konnte es gleichzeitig einfach nicht fassen. Ein Traum wird wahr! DER Traum wird wahr! Als wir dann vom Stadiongebäude (nennt man das so?!) in das Stadion rein gelaufen sind und erfahren haben, dass wir sogar runter in den Stehbereich durften, war es mit mir ganz vorbei. Ich habe die Bühne gesehen und erst dann realisiert, was hier eigentlich los ist und wo ich eigentlich bin. Ich habe Rotz und Wasser geheult, als wir an den anderen Fans vorbei sind. Am Ende standen wir genau in der Mitte der Bühne, keine zehn Meter davon entfernt. Ich war im Himmel. Mein größter Herzenswunsch – meine Lieblingsband live erleben zu dürfen, zu deren Sänger ich als Künstler und Kunstfigur aufsehe, deren letzte Albumtour mein aller erstes Konzert gewesen ist und die ich mir niemals erträumt hätte noch einmal live zu sehen – ist in diesem Moment in Erfüllung gegangen und ich war einfach überwältigt von allem!

Die nächsten drei Stunden (ja, wir waren wirklich drei Stunden vor Konzertbeginn bereits im Stadion und haben uns unsere Plätze gesichert) saßen wir auf dem Boden, genossen die Sonne, tranken und hörten die Musik, die von der Technik eingespielt wurde. Dabei ist Rammstein die einzige Band, auf deren Konzert ich war, die vorm Konzertbeginn ihre eigene Musik laufen lässt. Zwischendurch sind mir noch ein paar Mal die Tränen gekommen. Ich war einfach rundum glücklich!

Das französische Duo Jatekok eröffnete das Konzert als Vorband und spielte vierhändig die Klavierversionen einiger Rammsteinlieder. Es war wunderschön, die sonst so harten Lieder in ungewohnt ruhiger und teils melancholischer Weise zu hören. Gänsehaut gab es, als mehrere zehntausend Fans gemeinsam Frühling in Paris gesungen haben.

Rammstein eröffneten ihren Auftritt mit dem Titel Was ich liebe vom neuen Album. Die Fans waren sofort Feuer und Flamme. Es wurde getanzt, gegrölt, gewooht, Arme in die Luft gerissen, geheadbangt, gesungen. Die nächsten zweieinhalb Stunden vergingen wie im Fluge und ich fühlte mich wie in einem traumartigen Trancezustand. Die Band wechselte Lieder vom neuen Album mit alten „Klassikern“. Darunter fanden sich unter anderem Sonne, Sehnsucht, Mein Teil, Ohne dich und Ich will. Der Bass war so derb, dass ich die nächsten paar Stunden keinen Herzschlag, sondern nur noch ein Bassgebrum hatte. (Und dennoch war der Ton völlig klar und gut verständlich!) Die Bühnenshow war gewohnt spektakulär. Zu Puppe, vom neuen Album, schiebt Till einen riesigen Kinderwagen auf die Bühne, der im Laufe des Liedes in Flammen aufgeht und schwarzes Konfetti wie Asche auf das Publikum regnen lässt. An dieser Stelle danke ich meinem Freund nochmal extra, dass er nicht nur mit mir dorthin gefahren ist, sondern, dass er mich bei manchen Liedern auf die Schultern genommen hat, damit ich besser sehen konnte! Auch während der anderen Lieder war die Feuershow auch auf knapp zehn Meter Entfernung verdammt heiß! (Ich möchte gar nicht wissen, wie heiß das in der ersten Reihe war – da hat man sich vermutlich die Augenbrauen weggesengt) Und natürlich haben Rammstein während und zwischen den Liedern nichts als Blödsinn im Kopf: Flake, der von Till erst in einen Kochtopf gesteckt und dann in Brand gesetzt wird; Richard lässt sich im Intro von Deutschland vom Publikum als DJ feiern und die Jungs hüpfen in schwarzen Anzügen über die Bühne, an denen mit Neonstreifen Strichmännchen angebracht sind. Das Konzert war definitiv etwas für Ohr UND Auge! Ganz zum schluss haben sie noch eine ungewohnt ruhige Version von Engel gespielt. Dabei wurden sie von der Vorband auf dem Klavier begleitet (hatte ich erwähnt, dass die Vorband ihre eigene kleine Bühne in Mitten des Publikums hatte? Dort hatten sich dann auch die Jungs hinbegeben). Es war einfach wundervoll, die ganzen Feuerzeuge und Handylichter zu sehen (ein ähnliches Bild gab es zuvor bei Ohne dich) und der Gänsehautmoment des Abends setzte ein, als das Publikum gemeinsam mit allen sechs von Rammstein den Refrain von Engel gesungen haben! Natürlich durfte danach auch das Schlauchboot nicht fehlen. Diesmal waren es jedoch drei und alle, bis auf Till Lindemann, sind damit von der kleinen zurück auf die große Bühne „gefahren“. Till hingegen hat mit einem großen WILLKOMMEN-Schild dort auf die anderen gewartet. Nach dieser Aktion Ausländer, vom neuen Album zu spielen war natürlich mal wieder etwas provokant, aber auch einfach nur herrlich!

An dieser Stelle möchte ich aber auch einen kleinen Apell an all diejenigen aussprechen, die ebenfalls gerne auf Konzerte gehen: Hört auf, das gesamte Konzert zu filmen oder zu fotografieren. Ich habe an sich kein Problem damit, dass man mal ein paar Fotos macht oder eine besonders spektakuläre Bühnenshow aufnimmt. Das ist okay, das mache ich auch. Aber wenn ich mich im Publikum umsehe und wirklich fast jeder sein Handy hoch hält oder sogar einen Selfiestick mitnimmt, um filmen zu können. Nein, das geht einfach zu weit. Bezahlt ihr wirklich, um auf ein Konzert zu gehen, nur um den gesamten Abend lang einen kleinen elektronischen Kasten nach oben zu halten? Genießt doch lieber die Musik und die Bühnenshow. Genießt den Abend. Ein Konzert ist keine bloße Rezeption einiger Lieder. Das Kunstwerk entsteht in diesem Moment, ganz neu und einmalig und ein jeder Fan im Publikum macht es überhaupt erst zu etwas so Besonderen. Ihr seid Teil eines riesigen Kunstwerks und ganz ehrlich: Ihr versaut es einfach damit, euch auf das filmen oder fotografieren zu konzentrieren, anstatt sich einfach fallen zu lassen.

Also: Überlegt euch beim nächsten Konzert doch einfach mal, ob es nicht schöner wäre, das Handy dann einfach mal stecken zu lassen. 🙂

(Der darauffolgende Tag in Prag war ebenfalls einfach toll, gottseidank hatten wir ja wirklich Glück, was das Wetter anbelangt, sodass wir einfach noch etwas rumschlumpern konnten – Prag wurde nun auch zu unserem ersten Urlaubsziel auserkoren – irgendwann mal. Und die Rückreise war zwar etwas lange, mit über einer Stunde Zugverspätung in Leipzig, aber ansonsten war auch das voll in Ordnung und sehr entspannt.^^)

3 Kommentare zu „Konzertreview*1_Rammstein_Prag2019

  1. Toller Bericht von der Reisegruppe Rammstein 😁 Wir hatten Glück dank Mitgliedschaft recht einfach an Karten in Hannover zu kommen, und weil es so schön war, haben wir uns auch Karten für nächstes Jahr Rammstein in Berlin geholt. 🤘🎤 Für ein Konzert in ein anderes Land zu reisen ist absolut ein Abenteuer. Wir fliegen im September für ein Konzert nach New York 🙈 und ich bin jetzt schon aufgeregt 😆

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    1. Oh, ich bin schon etwas neidisch 😅 viel Spaß euch dann nächstes Jahr nochmal! 🙂 ich habe mir mit diesem Konzert meinen Lebenstraum erfüllt und bin nicht traurig, für nächstes Jahr keine Karten zu haben. Es war auch ein Abenteuer, ein sehr großes Abenteuer 😊 und ich wünsche euch auch viel Spaß in New York! Zu welchem Konzert geht es denn?

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      1. Danke 👍 In New York spielen Kamelot, Battle Beast und Sonata Arctica , also.drei meiner Lieblingsbands. Das geht natürlich nicht ohne mich 😆

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