Geplauder aus dem Tintenfäßchen *1

Hiermit möchte ich gerne eine kleine (hoffentlich regelmäßige) Beitragsreihe eröffnen. Dabei soll es darum gehen, jede Woche revue passieren zu lassen, was ich innerhalb der letzten sieben Tage geschrieben habe. Es geht mir sowohl um hobbymäßige Belletristik als auch wissenschaftliche Texte für das Studium. Ich möchte damit gerne mein Schreiben reflektieren, was mir besonders Spaß gemacht hat, was nicht und welche Probleme ich zwischendurch vielleicht hatte und ob und wie ich sie lösen konnte. Es soll mir helfen, Motivationstiefs zu überbrücken und auch aus meinem eigenen Schreiben zu lernen. Und da ich mir dachte, dass es vielleicht auch anderen (Hobby)Autoren helfen könnte, einen kleinen Einblick in die Schreibprozesse eines „Leidensgenossen“ zu erhalten, habe ich beschlossen, diese Reflektion als fortlaufende Beitragsreihe zu konzipieren.

Hausarbeiten und Reflexionen

Diese Woche habe ich mich vor allem mit dem Schreiben meiner Hausarbeiten befasst. Das Thema „Märchen“ fand ich dabei sehr interessant und es hat mir viel Spaß gemacht, darüber zu schreiben. Leider ist es mir dadurch aber auch sehr schwer gefallen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich nicht innerhalb der Literatur und der Beschreibungen zu verlieren. So waren letzten Endes statt geplanten vier ganze acht Seiten zum Gattungsbegriff des Märchens zusammengekommen. Natürlich ist es eigentlich immer toll, wenn man etwas mehr geschrieben hat, als geplant. Nur dann nicht, wenn man eine maximale Seitenzahl vorgegeben hat, was bei Hausarbeiten leider immer der Fall ist. Und ich muss ehrlich sagen: kürzen ist absolut nicht mein Fall. Mir kommt dann jedes einzelne winzige Wort wichtig vor und ich habe ein schlechtes Gewissen dem Wort gegenüber, wenn ich es wieder rausstreichen muss. So habe ich, anstatt die acht Seiten Märchen irgendwie zu halbieren, die restlichen Kapitel von vornherein so kurz verfasst, dass ich insgesamt auf etwa fünfzehn Seiten kam. Natürlich war das so eigentlich nicht geplant und eigentlich hatte ich mir ja was dabei gedacht, den Kapitel am Anfang eine bestimmte Seitenanzahl zuzuordnen. Tja, so habe ich meine anfängliche Planung über den Haufen geworfen und das Kürzen umgangen. Es hat funktioniert, ich bin fertig geworden und die Hausarbeit macht sogar Sinn, ich habe sie auch schon abgegeben – jedoch werde ich mein Kürzungsproblem wohl niemals überwinden, wenn ich es einfach umgehe. Daran sollte ich in Zukunft also definitiv noch arbeiten.

Neben der Hausarbeit muss ich für ein zweites Seminar einen kreativen Text und eine Selbstreflexion abgeben. Bitte tötet mich… Einen kreativen Text auszuwählen, war an sich ja gar nicht das Problem. Also nicht direkt. Ich habe genug kreative Texte auf meinem Laptop, die ich einreichen könnte. Das eigentliche Problem bildete die Selbstreflexion, die ich über mich und den Text verfassen sollte. Und in Verbindung damit wusste ich auch einfach nicht, welchen Text ich einreichen sollte, da ich einige Leitfragen, wie zum Beispiel „Wie fandest du das Thema? War es leicht etwas dazu zu schreiben? Hast du das Thema für dich anders interpretiert? Wieso (nicht)?“ einfach nicht beantworten konnte. Aber ist das verwunderlich? Wenn ich einen Text einfach so und aus dem Bauch heraus schreibe, was soll ich dann bezüglich der Themeninterpretation großartig sagen? Also habe ich mich dazu entschlossen, einen Text zu wählen, den ich im Zuge eines Gruppenprojekts mit meinen Kommilitonen verfasst habe. Damit hatte ich wenigstens eine Grundlage, mit der sich arbeiten ließ. Dennoch bin ich bisher noch nicht auf die erforderte Seitenanzahl für die Selbstreflexion gekommen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so schwierig ist, dazu fünf bis sechs Seiten zu verfassen. Mein Hauptproblem liegt dabei in der schmalen Gradwanderung zwischen „Selbstreflexion“ und „Selbstinterpretation“. Wie erkläre ich, was ich wieso und weshalb auf welche Art und Weise formuliert habe, ohne dabei meinen eigenen Text zu interpretieren? Auch die Art und Weise wie ich arbeite bewusst zu überdenken, fiel mir doch schwerer als ich dachte. Ja, ich arbeite am liebsten Abends/Nachts und schreibe meistens aus dem Bauch heraus. Aber warum? Welche Wirkung hat das auf mein Schreiben? Und was beeinflusst mich noch? Was tue ich, um mich zu motivieren oder um Schreibblockaden zu lösen? All die Dinge habe ich bisher so intuitiv getan, dass ich erstmal keine Ahnung hatte, wie ich sie bewusst reflektieren sollte. Mich und mein Schreiben produktiv zu reflektieren, fällt mir also doch schwerer, als ich dachte. Ich glaube, daher habe ich auch beschlossen, das „Geplauder aus dem Tintenfäßchen“ ins Leben zu rufen.

Wenn das Hobby in Arbeit ausartet

Neben den unitechnischen Aufgaben schrieb ich innerhalb der letzten Woche auch zwei Kapitel einer längeren Geschichte. Dazu kann ich jedoch nicht so viel sagen, da ich dazu nur sporadisch gekommen bin. An der Geschichte schreibe ich nun etwa ein dreiviertel Jahr und bin mittlerweile bei 44 Kapiteln – ursprünglich hatte ich acht Kapitel geplant, man könnte also sagen, dass es ganz ganz ganz dezent ausgeartet ist. Nur ein ganz kleines bisschen. Momentan befinde ich mich in der Endphase der Rohfassung. Das bedeutet, ich schreibe die letzten paar Kapitel. Mein größtes Problem dabei ist wohl, dass das Ende der Geschichte aus der Sicht von fünf verschiedenen Figuren erzählt wird und die Kapitel dadurch teilweise parallel ablaufen und ich einfach keine Ahnung habe, wie ich das machen soll ohne den Überblick zu verlieren. Mein erster Versuch besteht darin, mir eine Figur nach der anderen vorzunehmen und alle Kapitel aus deren Sicht hintereinander weg runter zu schreiben. Am Ende sortiere ich die entstandenen Kapitel bloß in der Reihenfolge, wie ich sie für die Geschichte geplant hatte. Klingt toll und arbeitserleichternd? Schön wärs! Nun habe ich von drei Figuren die Kapitel abgearbeitet, schrieb diese Woche die vom eigentlichen Protagonisten und stelle beim Schreiben fest, dass die Kapitel inhaltlich nicht ganz miteinander übereinstimmen. Heißt: Ich schreibe die Kapitel von Figur A und die Kapitel von Figur B und C, die ich dann dazwischen schieben will und bei dem Dazwischenschieben stelle ich fest, dass Figur B auf Dinge Bezug nimmt, die Figur C erst drei Kapitel später von sich gibt und andersrum. Wenn ich in die Überarbeitungsphase komme, werde ich vermutlich viel zutun haben…

Was ich aus dieser Woche schreibtechnisch mitnehme

  • Kürzen ist kein Verbrechen – trau dich!
  • Lerne dein Schreiben zu reflektieren – und lerne aus der Reflektion!
  • Hab keine Angst vor großen Projekten – probier dich aus und bleib bei der Sache!
  • Jeder Text braucht seine Zeit um gut zu sein – egal ob eine Stunde, einen Tag, ein Jahr oder mehr!

 

2 Kommentare zu „Geplauder aus dem Tintenfäßchen *1

  1. Hey!

    Was für eine schöne Beitragsreihe und man sieht dir deine Liebe zu geschriebenen Wörtern total an. Ich finde das total schön und auch finde ich es cool, dass du diese Beträge schreibst, um deinen Schreibprozess zu reflektieren.
    Ich bin gespannt was noch kommen wird.

    Lg, Ümi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo 🙂

      Vielen Dank für deine lieben Worte! Ehrlich gesagt hatte ich schon daran gezweifelt, diese Beitragsreihe weiterzuführen, da ich nicht sicher war, ob es wirklich jmd lesen will/interessiert ^~^‘

      Daher danke für das Feedback und die Motivation weiter zu machen!

      LG
      ~Tilly

      Gefällt 1 Person

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