Geplauder aus dem Tintenfäßchen *3

So wie es aussieht, ist das momentan wohl meine regelmäßigste Beitragsreihe. Auch wenn man das noch gar nicht wirklich beurteilen kann, schließlich schreibe ich das hier erst zum dritten Mal. Dennoch freue ich mich bereits darüber, dass es mir irgendwie ganz gut von der Hand geht.

Diese Woche habe ich insgesamt 5.639 Wörter geschrieben. Ist das viel? Für einen richtigen Autor vermutlich nicht, aber ich verbuche es dennoch als Erfolg. Schließlich ist es nicht nichts und etwa das dreifache von dem, was ich die Woche zuvor geschafft hatte. Und wie ich vorhin getwittert habe:

Was ich sage: Ich schreibe heute meine Hausarbeit weiter!

Was ich denke: Oder ich befasse mich lieber mit meiner Geschichte und arbeite in der Woche an der Hausarbeit!

Was ich tue: Den ganzen Tag auf social Media rumhängen und letzten Endes nichts von beidem schreiben.

In diesem Sinne ist es wohl ein Wunder, dass ich überhaupt ein Wort zu Papier bringe und ich fühle mich dazu berechtigt, stolz auf jedes einzelne zu sein.

Wer erzählt eigentlich was und wieso?

Die Erzähltheorie ist schon seit dem ersten Semester eine der literaturwissenschaftlichen Methoden, die mich am meisten fasziniert. Wieso? Vermutlich aus zwei Gründen. 1. Kann sie bei der Arbeit mit absolut jedem Text verwendet werden. Egal wie lang oder welches Genre oder ob Prosa oder Lyrik. Irgendwie erzählt da immer irgendwer irgendwas. 2. Ist es eine Methode, kein Interpretationsmodell. D.h. selbst wenn ich mich für die Interpretation eines Textes auf ein bestimmtes Modell stütze (zB. Genderstudies oder Intertextualität oder literarische Psychoanalyse oder Visual/Mediastudies oder Strukturalismus) die Erzähltheorie kann ich dabei immer hinzuziehen, um die Deutungsebene des Textes zu erweitern. In meiner Sandmann-Hausarbeit beschäftige ich mich ja momentan mit der Stellung des Erzählers und ob sich eine Figur der Erzählung entziehen kann. Dazu habe ich nun das erste Kapitel verfasst, in welchem ich mich mit den Erzählinstanzen des Sandmann außeinandersetze. Durch die Dichte des Textes ist das aber doch aufwendiger und schwieriger, als ich zu Beginn dachte. Es gibt so unglaublich viel, dass irgendwie Erwähnung finden sollte und für die Arbeit und die These von Bedeutung ist, dass ich bald vermutlich wieder mit meinem Kürzungsproblem konfrontiert werde. Es fällt mir schwer zu differenzieren, was so wichtig ist, dass es in der Arbeit auftauchen muss und was ich auch „unter den Tisch fallen lassen kann“. Schließlich kommt mir persönlich alles wichtig vor, nur habe ich innerhalb der 15 Seiten einfach nicht genug Platz, um jeden Aspekt zu beleuchten. Haltet mich für verrückt, aber ich freue mich jetzt schon unheimlich darauf meine Bachelorarbeit verfassen zu können und endlich mal mehr Seiten für ein Thema zur Verfügung zu haben!

Mitte der Woche habe ich es auch endlich geschafft, meine Reflexion abzugeben. Aber selbst, wenn ich eine gute Note bekommen sollte, ganz zufrieden bin ich selbst damit nicht wirklich. Ich habe die letzte Woche dazu verwendet, sie noch einmal zu überarbeiten. Dabei sind einige Passagen rausgefolgen – vor allem die, in denen es einfach viel zu sehr um den einzureichenden Text ging – und andere Passagen sind dazu gekommen. Ich bin stärker darauf eingegangen, welche Schreibgewohnheiten ich in den letzten Jahren entwickelt habe und inwiefern diese vielleicht gut oder weniger gut sind. So zum Beispiel, dass ich noch nie ein längeres „Werk“ geschrieben (und auch beendet) habe. Und welche Probleme mit dieser Tatsache für mich momentan einher gehen. Vor allem aber habe ich darüber geschrieben, dass ich ein sogenannter Bauchschreiber bin und mir das Plotten von Geschichten sehr schwer fällt.

Wo ist das Ende? Ein Königreich für ein Ende!

Neben meiner Hausarbeit hatte ich diese Woche auch beim kreativen Schreiben einen kleinen Flow. So habe ich die letzten Kapitel von Memento Mori geschrieben. Ehrlich gesagt war das wirklich schwerer, als ich dachte. Eigentlich hatte ich das Ende reltiv ausführlich geplottet (welch ein Wunder!): Ich hatte aufgeschrieben, wie viele Kapitel es noch sein werden, was in welchem Kapitel passieren soll und aus wessen Sicht die Kapitel sein sollen. Und was passiert? Natürlich änderte sich beim Schreiben plötzlich die Hälfte und ich musste die Kapitel aufteilen, weil ich plötzlich die Figur wechseln musste, aus deren Sicht die Geschehnisse geschildert werden. Und das ist leichter gesagt als getan, vor allem, wenn die Figuren grade alle zusammen sind und ein wirklicher Grund fehlt, um die Sichtweise zu ändern. Dadurch ist das Ende nun zwei Kapitel länger geworden – außerdem sind die Kapitel an sich im Schnitt zwei bis drei Seiten länger geworden, als die Anfangskapitel. Ob das schlimm ist? Das weiß ich selbst noch nicht so genau. Wird sich vermutlich innerhalb der Überarbeitungsphase zeigen, vor der es mir noch etwas graut. Nun könnte man sich fragen, warum ich nicht mit der Überarbeitungsphase beginne, schließlich habe ich ja jtz das Ende geschrieben. Tja, das liegt daran, dass der Epilog noch fehlt. Memento Mori endet so offen in einer so schwierigen und wandlungsreichen Zeit, dass ich dem Leser gerne noch einen kleinen Hinweis darauf geben möchte, was im Anschluss passiert. So weit so gut. Nur weiß ich nun leider partout nicht, wie groß ich den Zeitsprung des Epilogs machen soll. Ein paar Stunden? Tage? Zehn Jahre? Ein Leben? Eine ganze Generation? Die Wahl der Qual – die Qual der Wahl.

Was ich aus dieser Woche schreibtechnisch mitnehme:

  • Egal welcher Text und egal welche These – es lohnt sich fast immer, die Erzählweise zu betrachten
  • Zwar ist die Reflexion abgegeben, dennoch sollte ich mein Schreiben weiterhin reflektieren!
  • Irgendwann komme ich um das Kürzen nicht herum – Zeige keine Angst und probier dich aus!
  • Was ist das perfekte Ende einer Geschichte? Wie groß sollte der Zeitsprung von Prolog odeer Epilog zum Text sein? Was sollte ein Epilog beinhalten? Welche Figuren sollten wieder auftauchen? Diese Fragen werden mich noch eine Weile begleiten..

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