Wieso ich mein Projekt für den NaNoWriMo gewechselt habe

Seit acht Tagen läuft der National Novel Writing Month. Eine Aktion für alle tapferen Schreiberlein. Innerhalb des Novembers soll dabei eine Geschichte mit 50.000 Wörtern entstehen.

Kraft meiner Wassersuppe habe ich mich dieses Jahr das erste Mal angemeldet. Ich war total motiviert, mich in die Schreibarbeit zu stürzen und so richtig in die Tasten zu hauen. Doch als der November dann so langsam angefangen hatte, war es mehr ein auf-die-Nase-fallen als ein in-die-Schreibarbeit-stürzen. Wieso? Nun, ich hatte mir vorgenommen eine Geschichte basierend auf dem neuen Album von Rammstein zu schreiben. Es sollte keine FanFiction werden, denn so etwas schreibe ich auch gar nicht so gerne. Viel mehr sollten die Lieder als Szenen oder die ganze Geschichte durchziehende Themen aufgegriffen werden. So weit so gut. Ich hatte mich im Oktober daran gesetzt, die Lieder sortiert und einen groben Ablauf der Geschichte gefertigt. Ich habe mir die Charaktere überlegt, eine Personenkonstellation angelegt und auch das Setting der Welt grob zusammengefasst. Ich dachte wirklich, dass ich genug vorgearbeitet hätte, um mit dem Schreiben anfangen zu können, doch irgendwie hat das dann nicht ganz so sehr geklappt.

Erst hatte ich Probleme einen Einstieg in die Geschichte zu finden. Ich saß die ersten drei Novembertage da und starrte auf ein weißes Blatt (bzw. Dokument) und wusste einfach nicht wie ich anfangen sollte. Ich hatte keinen Zugang zur Geschichte. Zu keiner einzigen Szene. Und als ich die Anfangsszene endlich angefangen hatte, saß ich geschlagene weitere drei Tage dran. Und dabei ist gerade mal ein Kapitel von etwa 1900 Wörtern entstanden. Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, das Ganze abzubrechen.

Man könnte jetzt meinen, dass ich ein Versager bin, weil ich hingeworfen habe bevor ich überhaupt richtig angefangen habe. Doch so sehe ich es nicht. Ich sehe es eher als einen realistischen und wohlüberlegten Schritt. Denn innerhalb der kurzen Zeit, in der ich versuchte, mein Herzensprojekt zu Papier zu bringen, habe ich festgestellt, dass ich schlichtweg nicht genug recherchiert habe.

Die menschliche Psyche und auch Psychotherapien und Medikamente sind so komplexe Themen, dass es schier unmöglich ist darüber zu schreiben, ohne vorher recherchiert zu haben. Und nein, das leidenschaftliche Lesen von (Psycho-)Thrillern ersetzt keine Recherche (wie ich am eigenen Leib feststellen musste).

Da ich also dieses Projekt aufgrund der unzureichenden Vorbereitung abgebrochen habe, jedoch weiterhin am NaNoWriMo teilnehmen möchte, habe ich beschlossen eine Geschichte fortzuführen, die ich mit zwei Kurzgeschichten bereits einmal begonnen hatte. Genremäßig geht es dabei um etwas völlig anderes: Emilia ist eine junge Studentin. Aufgrund ihrer Behinderung fühlt sie sich von der Welt der „Normalen“ ausgeschlossen. Sie sieht sich selbst als eine Außenseiterin an, bis ihr ein junger Mann begegnet, der ihr das erste Mal das Gefühl gibt, normal zu sein.

Diese Geschichte baut auf meiner Kurzgeschichte Bienen auf. Anders als bei meinem eigentlich NaNo-Projekt habe ich hier jedoch absolut keinen Plan und schreibe völlig aus dem Bauch heraus. Ich habe keinen Plot, keine Charakterbögen, keine Kapitel, kein Setting, einfach nichts. Und es fühlt sich gut an. Ich möchte selbst sehen, was sich beim Schreiben aus der Geschichte entwickelt.

Mein Herzensprojekt soll damit jedoch nicht beendet sein. Es liegt momentan auf Eis, doch ich werde zunächst anfangen zu recherchieren und dann, wenn ich und die Geschichte so weit sind, werden wir es noch einmal miteinander versuchen.

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