Buchrezension *7_Der Tag braucht das Licht, ich nicht 3.0

Bei Klaus Märkerts Buch Der Tag braucht das Licht, ich nicht 3.0 handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener Erzählungen, die dem Tageslicht bewusst den Rücken kehren und in der Dunkelheit der seelischen Nacht aufblühen wie eine Engelstrompete. Und ähnlich dem Duft des Nachtblühers sind sie besonders intensiv.

Eine Gemeinsamkeit der zwanzig Kurzgeschichten ist die Tatsache, dass der Alltag der Figuren von plötzlichen, skurrilen und unerwarteten Einbrüchen gestört wird. Figuren, die dem Irrglauben unterliegen, ihr Leben unter Kontrolle zu haben und dementsprechend selbstbestimmt zu handeln, werden eines Besseren belehrt – ein Umstand, der auch so manchen Leser zum Nachdenken anregen dürfte.

Alltägliche Situationen und Handlungen – wie beispielsweise der Weg zur Arbeit, ein Abendessen beim Chef oder das Kennenlernen der zukünftigen Schwiegereltern – werden teils durch scheinbare Kleinigkeiten teils durch große Katastrophen oder surreale Begegnungen gestört. Die Geschichten beginnen harmlos, eskalieren jedoch meist bereits nach wenigen Absätzen. Plötzlich verliert ein Mann sein Geschäft, ein anderer augenscheinlich den Verstand und mehr als einmal gibt es Tote.

Dennoch glänzen sie mit einer reichhaltigen Abwechslung. Keine Erzählung ist wie die andere. Trotz gemeinsamer Motive gibt es keine langweiligen Wiederholungen. Auch die Figuren sind abwechslungsreich und innerhalb ihres absurden Charakterdesigns glaubhaft, wenn ihre Entscheidungen und Gedankengänge dem Leser an mancher Stelle auch fragwürdig erscheinen.

Dabei lassen sie den Leser mit den verschiedensten Reaktionen zurück: Lachen, Staunen, Fragezeichen. Fans des schwarzen Humors kommen auf ihre Kosten. Darüber hinaus geben sie dem Leser einiges zum Nachdenken mit.

Wer einen Hang zu nachtschwarzen Erzählungen hat, die ihre eigene Düsternis mit surrealem und meist schwarzem Humor durchbrechen und den kontrollierten Alltag ad absurdum führen, dem sei dieser Band ans Herz gelegt.

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